Lenz

von Georg Büchner
Premiere 9. Dezember 2012
Ole LagerpuschLenz
Harald BaumgartnerOberlin / Madame Oberlin / Indianer
Oberlin / Madame Oberlin / Indianer
rbb-online.de/kultur
Jörg Albinsky, 09.12.2012
Die Beklemmung steht auf der Bühne, sie schreit, schweigt, und manchmal lacht sie sogar in dieser Inszenierung von Lilja Rupprecht. Die innere Leere, das mal schmerzvolle, mal schmerzlose Verlorensein, Lenzens Unmöglichkeit Griffe zu finden, um sich zurück ins Diesseits zu ziehen – Rupprecht konzentriert sich ganz auf diesen Kampf und stellt mit Pfarrer Oberlin dem Lenz einen emphatischen, tief im Leben stehenden Mann zur Seite, der genug bei sich ist, um auch bei Lenz zu sein. Das belehrt nicht, sucht keine unnötige Dramatisierung. […] Das geht nicht nur auf, es hallt nach. […] Intensiv von Beginn an und spannend bis zum Schluss: Es lohnt nicht, Ole Lagerpusch (Lenz) und Harald Baumgartner (Oberlin sowie alle anderen Rollen) miteinander zu vergleichen. Sie spielen so natürlich mit und gegeneinander, wie es ein solches Kammerstück nur ermöglichen kann. Baumgartner gut, Lagerpusch gut – gut,gut,gut. Die Beklemmung steht auf der Bühne, sie schreit, schweigt, und manchmal lacht sie sogar in dieser Inszenierung von Lilja Rupprecht. Die innere Leere, das mal schmerzvolle, mal schmerzlose Verlorensein, Lenzens Unmöglichkeit Griffe zu finden, um sich zurück ins Diesseits zu ziehen – Rupprecht konzentriert sich ganz auf diesen Kampf und stellt mit Pfarrer Oberlin dem Lenz einen emphatischen, tief im Leben stehenden Mann zur Seite, der genug bei sich ist, um auch bei Lenz zu sein. Das belehrt nicht, sucht keine unnötige Dramatisierung. […] Das geht nicht nur auf, es hallt nach. […] Intensiv von Beginn an und spannend bis zum Schluss: Es lohnt nicht, Ole Lagerpusch (Lenz) und Harald Baumgartner (Oberlin sowie alle anderen Rollen) miteinander zu vergleichen. Sie spielen so natürlich mit und gegeneinander, wie es ein solches Kammerstück nur ermöglichen kann. Baumgartner gut, Lagerpusch gut – gut,gut,gut.
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 11.12.2012
Ole Lagerpusch brilliert als Lenz. […] Man hört es fast schmatzen, wenn Lagerpusch die Lider von den dunkel glänzenden, Orientierungslosigkeit signalisierenden Augen zieht. Er lässt seinen Körper virtuos herumschlenkern, er zerwühlt sich die Haare, schmiert sich mit weißer Schminke und schwarzer Kohle voll, überschüttet sich mit Wasser, säuselt, weint, lässt die Stimme krachen. Und wenn den Dichter Stimmen quälen, kratzt er sich am Ohr – das gibt den Einsatz für ausgetüftelte Bildstörungsprojektionen und Soundeinspielungen samt Elektrobrizzelei. Väterlicher Sparringpartner ist Harald Baumgartner. Mit gekonnt-routinierten Verkleidungs- und Verstellungsmätzchen verkörpert er gleich eine Handvoll von Figuren, solche, die bei Büchner vorkommen und solche, die die Regisseurin dazugesellt hat. Ole Lagerpusch brilliert als Lenz. […] Man hört es fast schmatzen, wenn Lagerpusch die Lider von den dunkel glänzenden, Orientierungslosigkeit signalisierenden Augen zieht. Er lässt seinen Körper virtuos herumschlenkern, er zerwühlt sich die Haare, schmiert sich mit weißer Schminke und schwarzer Kohle voll, überschüttet sich mit Wasser, säuselt, weint, lässt die Stimme krachen. Und wenn den Dichter Stimmen quälen, kratzt er sich am Ohr – das gibt den Einsatz für ausgetüftelte Bildstörungsprojektionen und Soundeinspielungen samt Elektrobrizzelei. Väterlicher Sparringpartner ist Harald Baumgartner. Mit gekonnt-routinierten Verkleidungs- und Verstellungsmätzchen verkörpert er gleich eine Handvoll von Figuren, solche, die bei Büchner vorkommen und solche, die die Regisseurin dazugesellt hat.
Der Tagesspiegel
Andreas Schäfer, 12.12.2012
Die Videoeinspielungen hin und wieder, ab und an ein psychotisches Knistern oder Knallen aus den Boxen und der Sperrholzzelle mit den gerissenen Wänden (nichts anderes als der Lenz’sche dünnwandige Kopfraum) – das ist der einzige Luxus, den sich dieser Abend leistet: Ansonsten ist er konsequent und einfach und von beißender Klarheit wie Winterluft. […] Ole Lagerpusch spielt diesen irrlichternden Schmerzensmann (Lenz), hin- und hergestoßen zwischen religiösen Heilsphantasien, Apathie und Schuldgefühlen, mit etwas, was Lenz völlig abgeht: mit Maß. Lagerpusch starrt ins Nichts, grimassiert mitunter wie der Komiker Jim Carrey oder schlurft, vom Geschrei der Gestalten im Zeitraffer gealtert, wie ein alter Mann durch seine Holzhütte, doch er zügelt sich dabei, hält immer etwas zurück. Lagerpusch zeigt das innere Wüten, ohne selbst wüten zu müssen, und bewahrt der ausgelieferten Figur etwas unergründlich Rätselhaftes. An seiner Seite Harald Baumgartner, der nicht nur Oberlin, sondern auch alle anderen Figuren in wechselnden Kostümen mehr an- als ausspielt: mal mitfühlende Vaterfigur, mal kühl beobachtender Wissenschaftler, mal Erzähler, der den vorwärtshetzenden Sätzen Büchners kaum hinterherkommt. Keine Heute-Bezüge, keine raffinierten Textimplantate. Ole Lagerpusch, Harald Baumgartner und ab und an ein psychotisches Knistern aus den Boxen. Mehr braucht es gar nicht, um  zeitlose Ausweglosigkeit zu gegenwärtigen. Die Videoeinspielungen hin und wieder, ab und an ein psychotisches Knistern oder Knallen aus den Boxen und der Sperrholzzelle mit den gerissenen Wänden (nichts anderes als der Lenz’sche dünnwandige Kopfraum) – das ist der einzige Luxus, den sich dieser Abend leistet: Ansonsten ist er konsequent und einfach und von beißender Klarheit wie Winterluft. […] Ole Lagerpusch spielt diesen irrlichternden Schmerzensmann (Lenz), hin- und hergestoßen zwischen religiösen Heilsphantasien, Apathie und Schuldgefühlen, mit etwas, was Lenz völlig abgeht: mit Maß. Lagerpusch starrt ins Nichts, grimassiert mitunter wie der Komiker Jim Carrey oder schlurft, vom Geschrei der Gestalten im Zeitraffer gealtert, wie ein alter Mann durch seine Holzhütte, doch er zügelt sich dabei, hält immer etwas zurück. Lagerpusch zeigt das innere Wüten, ohne selbst wüten zu müssen, und bewahrt der ausgelieferten Figur etwas unergründlich Rätselhaftes. An seiner Seite Harald Baumgartner, der nicht nur Oberlin, sondern auch alle anderen Figuren in wechselnden Kostümen mehr an- als ausspielt: mal mitfühlende Vaterfigur, mal kühl beobachtender Wissenschaftler, mal Erzähler, der den vorwärtshetzenden Sätzen Büchners kaum hinterherkommt. Keine Heute-Bezüge, keine raffinierten Textimplantate. Ole Lagerpusch, Harald Baumgartner und ab und an ein psychotisches Knistern aus den Boxen. Mehr braucht es gar nicht, um  zeitlose Ausweglosigkeit zu gegenwärtigen.

Außerdem im Spielplan

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Deutsches Theater
19.30 - 20.50
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
nach dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas
Kammerspiele
20.00 - 21.30