Das weite Land

von Arthur Schnitzler
Premiere 12. Dezember 2014
Felix GoeserFriedrich Hofreiter, Fabrikant
Maren EggertGenia Hofreiter
Ulrich MatthesDr. Franz Mauer
Almut ZilcherAnna Meinhold-Aigner, Schauspielerin
Ole LagerpuschOtto von Aigner, Marine Fähnrich
Bernd StempelDr. von Aigner
Simone von ZglinickiFrau Wahl
Anna DrexlerErna Wahl
Helmut MooshammerNatter, Bankier
Natali SeeligAdele Natter
Friedrich Hofreiter, Fabrikant
Genia Hofreiter
Dr. Franz Mauer
Anna Meinhold-Aigner, Schauspielerin
Otto von Aigner, Marine Fähnrich
Dr. von Aigner
Erna Wahl
Natter, Bankier
Adele Natter
nachtkritik.de
Wolfgang Behrens, 13.12.2014
Den Schauspielern im Deutschen Theater bei diesem Sprechen zuzuhören, ist eine Lust. Wie direkt, wie realistisch etwa Felix Goeser und Maren Eggert als das zentrale Paar (der erfolgreiche und höchst promiske, also sozusagen auch sexuell erfolgreiche Industrielle Friedrich Hofreiter und seine attraktive, aber latent frustrierte Frau Genia) oder Ulrich Matthes als der notorische Single-Hausfreund Mauer, wie unmittelbar im Grunde alle Darsteller dieses Groß- und Wahrspieler-Ensembles auf Schnitzlers Sprache zugreifen – wie lässig sie sie im Munde führen, wie sie sich in ihr verhaspeln, als wäre sie tatsächlich aus dem Moment geboren, und wie hart sie dann die aufgestaute Aggression hinter dieser Lässigkeit hervorspritzen lassen – das ist hohe Schule.
Und sie gehen dabei äußerst gestenreich zu Werke – kleine Gesten der Vertrautheit miteinander, des Voreinander-Gehenlassens sind das, deren Überpräsenz eine Art Hyperrealismus erzeugt. (...)
Es ist ein Schauspielerfest, das man hier erleben kann, mit durchaus präzise gezeichneten Gegenwartsmenschen.
Den Schauspielern im Deutschen Theater bei diesem Sprechen zuzuhören, ist eine Lust. Wie direkt, wie realistisch etwa Felix Goeser und Maren Eggert als das zentrale Paar (der erfolgreiche und höchst promiske, also sozusagen auch sexuell erfolgreiche Industrielle Friedrich Hofreiter und seine attraktive, aber latent frustrierte Frau Genia) oder Ulrich Matthes als der notorische Single-Hausfreund Mauer, wie unmittelbar im Grunde alle Darsteller dieses Groß- und Wahrspieler-Ensembles auf Schnitzlers Sprache zugreifen – wie lässig sie sie im Munde führen, wie sie sich in ihr verhaspeln, als wäre sie tatsächlich aus dem Moment geboren, und wie hart sie dann die aufgestaute Aggression hinter dieser Lässigkeit hervorspritzen lassen – das ist hohe Schule.
Und sie gehen dabei äußerst gestenreich zu Werke – kleine Gesten der Vertrautheit miteinander, des Voreinander-Gehenlassens sind das, deren Überpräsenz eine Art Hyperrealismus erzeugt. (...)
Es ist ein Schauspielerfest, das man hier erleben kann, mit durchaus präzise gezeichneten Gegenwartsmenschen.
Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau
Ulrich Seidler, 15.12.2014
Hier aber, im Deutschen Theater, gibt es keine schlechten Schauspieler. Hier weiß ein jeder bis in den Fingernagel, was er tut. (...)
Jette Steckels Inszenierung bietet ziemlich sensationelles Schauspielertheater mit Goeser im Zentrum. Er nimmt Hofreiter nichts von der Selbstgerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit, aber diesem inakzeptablen Verhalten, mit dem er alle, die ihm in die Quere kommen, bis zur seelischen Vernichtung kränkt, wohnt eine Ehrlichkeit und eine Unbedingtheit inne, dass einem zwischendurch die bürgerlichen Tugenden wie Höflichkeit, Treue und Kompromissbereitschaft peinlich sind und verlogen vorkommen. (...)
Und zu erwähnen ist unbedingt noch (...) Anna Drexler. Sie spielt sehr geradeaus jene junge Erna, die mit berechnender Verbissenheit den Schmelz ihrer Jugend einzusetzen weiß, um Hofreiters Lebensgier noch einmal so richtig auflodern und leider auch prompt abfackeln zu lassen.
Hier aber, im Deutschen Theater, gibt es keine schlechten Schauspieler. Hier weiß ein jeder bis in den Fingernagel, was er tut. (...)
Jette Steckels Inszenierung bietet ziemlich sensationelles Schauspielertheater mit Goeser im Zentrum. Er nimmt Hofreiter nichts von der Selbstgerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit, aber diesem inakzeptablen Verhalten, mit dem er alle, die ihm in die Quere kommen, bis zur seelischen Vernichtung kränkt, wohnt eine Ehrlichkeit und eine Unbedingtheit inne, dass einem zwischendurch die bürgerlichen Tugenden wie Höflichkeit, Treue und Kompromissbereitschaft peinlich sind und verlogen vorkommen. (...)
Und zu erwähnen ist unbedingt noch (...) Anna Drexler. Sie spielt sehr geradeaus jene junge Erna, die mit berechnender Verbissenheit den Schmelz ihrer Jugend einzusetzen weiß, um Hofreiters Lebensgier noch einmal so richtig auflodern und leider auch prompt abfackeln zu lassen.
Tagesspiegel
Christine Wahl, 14.12.2014
Es macht Spaß zuzusehen, wie sich das Trio Eggert, Goeser und Matthes auf der Couch verbale Bälle zuwirft. Bei Schnitzler entlädt sich die Verkrampfung, die die Gesprächskonventionen zeitigen, ja vornehmlich im Tennisspiel. Bei Steckel kanalisiert sich das, was beim Reden verschwiegen wird, in übersprungsartigen Berührungen, tragikomischen Verknotungsversuchen oder anfallartigen Fingerfood-Verschlingungen. Genia, Friedrich und Mauer bringen es in dieser Disziplin tatsächlich zu darstellerischer Meisterschaft. Auch Almut Zilcher gelingt als Genias Freundin und Burgschauspielerin Anna Meinhold-Aigner ein absolut überzeugendes Zeitgenossinnen-Porträt: Pathos und Depression werden in ihrem Referat über lebenslängliche Liebesenttäuschungen präzise ins semi-ironische Spiel ausgelagert. Und Ole Lagerpusch weiß den Schauspielerinnen-Sohn Otto, mit dem Genia schließlich eine Affäre beginnt, als durchaus interessante Mixtur aus autistischem Nerd und Nurejew-affinem Spontan-Springteufel anzulegen. Es macht Spaß zuzusehen, wie sich das Trio Eggert, Goeser und Matthes auf der Couch verbale Bälle zuwirft. Bei Schnitzler entlädt sich die Verkrampfung, die die Gesprächskonventionen zeitigen, ja vornehmlich im Tennisspiel. Bei Steckel kanalisiert sich das, was beim Reden verschwiegen wird, in übersprungsartigen Berührungen, tragikomischen Verknotungsversuchen oder anfallartigen Fingerfood-Verschlingungen. Genia, Friedrich und Mauer bringen es in dieser Disziplin tatsächlich zu darstellerischer Meisterschaft. Auch Almut Zilcher gelingt als Genias Freundin und Burgschauspielerin Anna Meinhold-Aigner ein absolut überzeugendes Zeitgenossinnen-Porträt: Pathos und Depression werden in ihrem Referat über lebenslängliche Liebesenttäuschungen präzise ins semi-ironische Spiel ausgelagert. Und Ole Lagerpusch weiß den Schauspielerinnen-Sohn Otto, mit dem Genia schließlich eine Affäre beginnt, als durchaus interessante Mixtur aus autistischem Nerd und Nurejew-affinem Spontan-Springteufel anzulegen.
B.Z.
Olaf Mehlhose, 13.12.2014
Regisseurin Jette Steckel gelingt es problemlos das über 100 Jahre alte Stück in die Gegenwart zu übersetzen. Dank einer Pyramide aus Sofas, kunstvollen Pausen nach den Akten und glänzenden Darstellern sind die knapp drei Stunden ein echtes Bühnen-Feuerwerk. Die Zuschauer belohnen die Premiere im Deutschen Theater zu Recht mit donnerndem Applaus. Regisseurin Jette Steckel gelingt es problemlos das über 100 Jahre alte Stück in die Gegenwart zu übersetzen. Dank einer Pyramide aus Sofas, kunstvollen Pausen nach den Akten und glänzenden Darstellern sind die knapp drei Stunden ein echtes Bühnen-Feuerwerk. Die Zuschauer belohnen die Premiere im Deutschen Theater zu Recht mit donnerndem Applaus.

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