Tod.Sünde.7

Bühne und Kostüme Mascha Mazur
Choreographie Efrat Stempler
Dramaturgie Birgit Lengers
Premiere 8. Mai 2014
Kerim Balli
Lara Bardelle
Linda Blümchen
Dorian Brunz
Artur Chruszcz
Ruby Commey
Stella Doerenbach
Alexander Finger
Olivia Kan-Sperling
Manuel Kern
Katrija Lehmann
Luise Mehner
Sophia Neuheisel
Anne Rohde
Larissa Wagenhals
Anne Weise
Kerim Balli, Lara Bardelle, Linda Blümchen, Dorian Brunz, Artur Chruszcz, Ruby Commey, Stella Doerenbach, Alexander Finger, Olivia Kan-Sperling, Manuel Kern, Katrija Lehmann, Luise Mehner, Sophia Neuheisel, Anne Rohde, Larissa Wagenhals, Anne Weise
Theater der Zeit
01.09.2014
'Tod.Sünde.7' ist eine glänzend gespielte und choreografierte Parabel auf entleerte Gesellschaftsmoral und auf trügerisch erahnte Erfolgsmaximen. 'Tod.Sünde.7' ist eine glänzend gespielte und choreografierte Parabel auf entleerte Gesellschaftsmoral und auf trügerisch erahnte Erfolgsmaximen.
Junge Deutsche Bühne
Delia Friess, 10.05.2014
Die Gruppe von SchauspielerInnen des jugendlichen Ensembles liefert eine beeindruckende Leistung ab. Das Bühnenbild ist minimalistisch, ein biblischer Bezug ist erkennbar: Die Bühnenwand in einer hellen Holzverkleidung hat zwei Türen, die an die von Beichtkammern erinnern. Eine moderne Jesusfigur ist auf das Holz aufgesprayt. Eine junge Frau betritt die Bühne. Im Lederminirock und Netzstrumpfhose will sie nicht durch die offenen Türen gehen, sondern buchstäblich „mit dem Kopf durch die Wand“. Kein Bemühen der Jugend um Moral und Tugend also, könnte man meinen. Oder nur die Verweigerung einer christlichen Moral? Denn dann schreit die junge Frau ihren Zorn und ihre Fragen an die Welt heraus: „Warum sind einige so reich und satt und die anderen so arm und hungrig?“, will sie wissen. Und: Warum sind Menschen einander egal und es ist ihnen egal, dass sie einander egal sind? Eine Massenversammlung von Jugendlichen übertönt den Wutausbruch: Da ist er, der Konformismus und Mainstream unserer Zeit. (...)

Und wie definiert sich das, 'das Böse'? Manche Todsünden seien Dämonen, sagt eine Figur in 'Tod.Sünde.7'. Die katholische Kirche geht davon aus, dass wir durch die Erbsünde „böse“ in diese Welt geboren werden. Sind wir dann überhaupt noch verantwortlich für unsere Taten? Dann lohnt es sich ja auch nicht, sich anzustrengen um „gut“ zu sein, oder doch? Dann hätte die Jugend mit ihrem Hedonismus ja Recht. Oder die Gesellschaft ist schuld: Wenn Gewinnstreben und Opportunismus immer mehr an Wert gewinnen, bleibt dem Einzelnen nichts anderes übrig, könnte man antworten. Mit diesen philosophischen Fragen konfrontiert Regisseur Wojtek Klemm den Zuschauer. 'Tod.Sünde.7' reflektiert die Verschiebung von Werten, fragt nach Idealen und zeigt eine Jugend in Zeiten einer medialen Reizüberflutung.
Die Gruppe von SchauspielerInnen des jugendlichen Ensembles liefert eine beeindruckende Leistung ab. Das Bühnenbild ist minimalistisch, ein biblischer Bezug ist erkennbar: Die Bühnenwand in einer hellen Holzverkleidung hat zwei Türen, die an die von Beichtkammern erinnern. Eine moderne Jesusfigur ist auf das Holz aufgesprayt. Eine junge Frau betritt die Bühne. Im Lederminirock und Netzstrumpfhose will sie nicht durch die offenen Türen gehen, sondern buchstäblich „mit dem Kopf durch die Wand“. Kein Bemühen der Jugend um Moral und Tugend also, könnte man meinen. Oder nur die Verweigerung einer christlichen Moral? Denn dann schreit die junge Frau ihren Zorn und ihre Fragen an die Welt heraus: „Warum sind einige so reich und satt und die anderen so arm und hungrig?“, will sie wissen. Und: Warum sind Menschen einander egal und es ist ihnen egal, dass sie einander egal sind? Eine Massenversammlung von Jugendlichen übertönt den Wutausbruch: Da ist er, der Konformismus und Mainstream unserer Zeit. (...)

Und wie definiert sich das, 'das Böse'? Manche Todsünden seien Dämonen, sagt eine Figur in 'Tod.Sünde.7'. Die katholische Kirche geht davon aus, dass wir durch die Erbsünde „böse“ in diese Welt geboren werden. Sind wir dann überhaupt noch verantwortlich für unsere Taten? Dann lohnt es sich ja auch nicht, sich anzustrengen um „gut“ zu sein, oder doch? Dann hätte die Jugend mit ihrem Hedonismus ja Recht. Oder die Gesellschaft ist schuld: Wenn Gewinnstreben und Opportunismus immer mehr an Wert gewinnen, bleibt dem Einzelnen nichts anderes übrig, könnte man antworten. Mit diesen philosophischen Fragen konfrontiert Regisseur Wojtek Klemm den Zuschauer. 'Tod.Sünde.7' reflektiert die Verschiebung von Werten, fragt nach Idealen und zeigt eine Jugend in Zeiten einer medialen Reizüberflutung.
Neues Deutschland
Volker Trauth, 26.05.2014
Eine erstaunliche künstlerische Höhe erreicht dabei die Inszenierung 'Tod.Sünde.7' vom Jungen DT. Regisseur Wojtek Klemm beweist seine Fähigkeit, Jugendliche zu hemmungsloser kollektiver Ausdrucksentschlossenheit zu führen. Er spitzt die Szenen über die Schmerzgrenze hinaus zu, gipfelt andere zu wahren circensischen Glanznummern auf, wenn sich beispielsweise die Schüler im Kaufrausch die gebrauchten Kleider vom Leibe reißen und sich die neuen überstreifen, oder wenn sie sich staccatoartig Twittermitteilungen an den Kopf werfen, um dann im jähen Bruch vor dem Ausbleiben solcher Mitteilungen zu erschrecken Eine erstaunliche künstlerische Höhe erreicht dabei die Inszenierung 'Tod.Sünde.7' vom Jungen DT. Regisseur Wojtek Klemm beweist seine Fähigkeit, Jugendliche zu hemmungsloser kollektiver Ausdrucksentschlossenheit zu führen. Er spitzt die Szenen über die Schmerzgrenze hinaus zu, gipfelt andere zu wahren circensischen Glanznummern auf, wenn sich beispielsweise die Schüler im Kaufrausch die gebrauchten Kleider vom Leibe reißen und sich die neuen überstreifen, oder wenn sie sich staccatoartig Twittermitteilungen an den Kopf werfen, um dann im jähen Bruch vor dem Ausbleiben solcher Mitteilungen zu erschrecken
Freie Volksbühne Berlin Blog
Reinhard Wengiereck, 12.05.2014
Man muss sie einfach lieben, diese geballte Front intelligenter Jugendlichkeit (11 Mädels, 5 Burschen). Und sie machen einen ungewöhnlichen, großartigen Abend unter dem vielsagenden Motto 'Tod. Sünde. 7': In 90 Minuten reden sie mit eigenen, im Workshop erarbeiteten Texten über ihre ziemlich genau registrierten und formulierten Erfahrungen mit dem Wahnsinn des Daseins, über ihren von Hormonen und jugendkulturellen Zwängen gestressten Alltag, über Gelüste und Lebenssehnsüchte, Lebensängste und Lebenswut. Das bringen sie monologisch oder chorisch, aber immer intensiv rüber, eingebunden in choreographisch vehement arrangiertes Körperspiel. Und alles ohne moralisch oder philosophisch wackeln- und winkendem Zeigefinger. Ein verdienstvolles, ziemlich aufwändiges Jugendprojekt des DT, von Regisseur Wojtek Klemm und Choreographin Efrat Stempler packend auf die Bühne der Kammerspiele gesetzt. Sehr zu empfehlen sonderlich jugendlichen Theaterenthusiasten (die es ja durchaus gibt, man glaubt es fast nicht) sowie deren Freunde und Verwandtschaft. Man muss sie einfach lieben, diese geballte Front intelligenter Jugendlichkeit (11 Mädels, 5 Burschen). Und sie machen einen ungewöhnlichen, großartigen Abend unter dem vielsagenden Motto 'Tod. Sünde. 7': In 90 Minuten reden sie mit eigenen, im Workshop erarbeiteten Texten über ihre ziemlich genau registrierten und formulierten Erfahrungen mit dem Wahnsinn des Daseins, über ihren von Hormonen und jugendkulturellen Zwängen gestressten Alltag, über Gelüste und Lebenssehnsüchte, Lebensängste und Lebenswut. Das bringen sie monologisch oder chorisch, aber immer intensiv rüber, eingebunden in choreographisch vehement arrangiertes Körperspiel. Und alles ohne moralisch oder philosophisch wackeln- und winkendem Zeigefinger. Ein verdienstvolles, ziemlich aufwändiges Jugendprojekt des DT, von Regisseur Wojtek Klemm und Choreographin Efrat Stempler packend auf die Bühne der Kammerspiele gesetzt. Sehr zu empfehlen sonderlich jugendlichen Theaterenthusiasten (die es ja durchaus gibt, man glaubt es fast nicht) sowie deren Freunde und Verwandtschaft.
stagescreen.wordpress.com
Sascha Krieger, 29.05.2014
Regisseur Wojtek Klemm und sein jugendliches Ensemble sezieren die Selbstoptimierungswut unserer Gesellschaft mit vollstem Körpereinsatz: Der Körper ist Projektionsfläche und Akteur, Ausdrucksmittel und Sprachapparat, Verpackung und Material. Um seine Beherrschung geht es – und um seine Nicht-Beherrschbarkeit. Ganz wunderbar die Szenen, in der der männliche Teil des Ensemble die coolen Tanzbewegungen im Club in ihre Bestandteile zerlegen und zu einer uniformen Individualismusbehauptung zusammensetzen, in der sich die Mädchen im Kaufrausch wie eine moderne Laokoongruppe an die Wäsche gehen, in der sie erschlafften Körper auf Stufen und Geländern abgeworfen sind und einer nach dem anderen in sich zusammensacken. Immer wieder stampft der Rhythmus, zuckt der Körper im Takt oder versucht, zu Boden geworfen, das ihn beherrschen wollende Ich abzuschütteln. Und dann ist da dieses Zittern: die letzte Waffe des domestizierten, objektifizierten Körpers, der nicht hinnehmen will, das er nichts sein soll als Präsentationsmittel und Selfie-Motiv. Der Abend hat seine stärksten Momente, wenn Klemm und sein im aller besten Sinne kompromisslos spielwütiges Ensemble die Körper sprechen lassen. Regisseur Wojtek Klemm und sein jugendliches Ensemble sezieren die Selbstoptimierungswut unserer Gesellschaft mit vollstem Körpereinsatz: Der Körper ist Projektionsfläche und Akteur, Ausdrucksmittel und Sprachapparat, Verpackung und Material. Um seine Beherrschung geht es – und um seine Nicht-Beherrschbarkeit. Ganz wunderbar die Szenen, in der der männliche Teil des Ensemble die coolen Tanzbewegungen im Club in ihre Bestandteile zerlegen und zu einer uniformen Individualismusbehauptung zusammensetzen, in der sich die Mädchen im Kaufrausch wie eine moderne Laokoongruppe an die Wäsche gehen, in der sie erschlafften Körper auf Stufen und Geländern abgeworfen sind und einer nach dem anderen in sich zusammensacken. Immer wieder stampft der Rhythmus, zuckt der Körper im Takt oder versucht, zu Boden geworfen, das ihn beherrschen wollende Ich abzuschütteln. Und dann ist da dieses Zittern: die letzte Waffe des domestizierten, objektifizierten Körpers, der nicht hinnehmen will, das er nichts sein soll als Präsentationsmittel und Selfie-Motiv. Der Abend hat seine stärksten Momente, wenn Klemm und sein im aller besten Sinne kompromisslos spielwütiges Ensemble die Körper sprechen lassen.

Außerdem im Spielplan

Heute161718192021222324252627282930Dezember 12345678910111213141516171819202122232425262728293031Januar 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
von Anton Tschechow
Deutsches Theater
19.00 - 22.05
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
von Sibylle Berg
Regie: Salome Dastmalchi
Box
19.30
Mit englischen Übertiteln
von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Nachgespräch mit Jette Steckel, Anika Steinhoff und dem Ensemble – Saal
Kammerspiele
20.00 - 22.25