Tee im Harem des Archimedes

nach dem Roman von Mehdi Charef bearbeitet von Nuran David Calis
Kostüme Tine Becker
Musik Vivan und Ketan Bhatti
Premiere 9. Februar 2014
Ibrahima Baldé
Ketan Bhatti
Vivan Bhatti
Christoph Franken
Alper Senocak
Süheyla Ünlü
Marof Yaghoubi
Ibrahima Baldé, Ketan Bhatti, Vivan Bhatti, Christoph Franken, Alper Senocak, Süheyla Ünlü, Marof Yaghoubi
nachtkritik.de
Matthias Weigel, 10.02.2014
Christoph Franken führt als sich aufreibender Showmaster, Nebenrollenclown und stellvertretender Deutscher durch eine grelle Flüchtlingsrevue mit "NDH"-Darstellern, wie es in deutscher Beamtensprache heißen würde, also "nicht deutscher Herkunft". Er zeigt auf herrlich einfache Weise, wo die Probleme schon anfangen: Wie soll ein frisch eingewanderter Asylsuchender Aufforderungen wie "Bitte schildern Sie mir, wie und wann Sie nach Deutschland gekommen sind" auf deutsch verstehen?
Ibrahima Baldé, der im Banlieue-Bühnenbild nicht nur das triste Einwandererleben des Madjid zwischen Drecksarbeit, Kleinkriminalität und Entwurzelung nachstellt, sondern auch seine eigene Flüchtlingsgeschichte erzählen wird, antwortet deshalb auf Englisch. Von spanischen Schleusern ist er im Inneren des Fahrersitzes eines Autos über die Grenze gebracht worden. Nüchtern skizziert er seine Stationen in Spanien, Belgien, Frankreich und schließlich Deutschland. Auf Christoph Frankens bohrende Frage, warum er ausgerechnet nach Deutschland wollte, wechselt Ibrahim nach langer Denkpause in seine Muttersprache.Es ist das einer der tollen Kniffe von Regisseur Nuran David Calis, der die großen Fragen unumwunden und – im besten Sinne – ganz naiv anspricht, aber Antworten zu Recht scheut. Nicht nur, dass es keine einfachen gibt; die Frage nach dem "Warum" heißt im Klartext ja auch: Was willst du hier in meinem Land? Und es sind wir als deutsche Mehrheitsgesellschaft, die diese Frage stellen. Dabei müssten wir uns vielmehr die Frage gefallen lassen: Warum nicht?
Christoph Franken führt als sich aufreibender Showmaster, Nebenrollenclown und stellvertretender Deutscher durch eine grelle Flüchtlingsrevue mit "NDH"-Darstellern, wie es in deutscher Beamtensprache heißen würde, also "nicht deutscher Herkunft". Er zeigt auf herrlich einfache Weise, wo die Probleme schon anfangen: Wie soll ein frisch eingewanderter Asylsuchender Aufforderungen wie "Bitte schildern Sie mir, wie und wann Sie nach Deutschland gekommen sind" auf deutsch verstehen?
Ibrahima Baldé, der im Banlieue-Bühnenbild nicht nur das triste Einwandererleben des Madjid zwischen Drecksarbeit, Kleinkriminalität und Entwurzelung nachstellt, sondern auch seine eigene Flüchtlingsgeschichte erzählen wird, antwortet deshalb auf Englisch. Von spanischen Schleusern ist er im Inneren des Fahrersitzes eines Autos über die Grenze gebracht worden. Nüchtern skizziert er seine Stationen in Spanien, Belgien, Frankreich und schließlich Deutschland. Auf Christoph Frankens bohrende Frage, warum er ausgerechnet nach Deutschland wollte, wechselt Ibrahim nach langer Denkpause in seine Muttersprache.Es ist das einer der tollen Kniffe von Regisseur Nuran David Calis, der die großen Fragen unumwunden und – im besten Sinne – ganz naiv anspricht, aber Antworten zu Recht scheut. Nicht nur, dass es keine einfachen gibt; die Frage nach dem "Warum" heißt im Klartext ja auch: Was willst du hier in meinem Land? Und es sind wir als deutsche Mehrheitsgesellschaft, die diese Frage stellen. Dabei müssten wir uns vielmehr die Frage gefallen lassen: Warum nicht?
Der Tagesspiegel
Christine Wahl, 11.02.2014
Marof Yaghoubi, der in seiner Heimat gegen die Taliban gekämpft hat, flüchtete über den Iran und die Türkei per Schlauchboot nach Griechenland, mit sechs anderen Menschen: "Einer fiel über Bord und ertrank. Wir paddelten um unser Leben", erzählt er in Nuran David Calis' Inszenierung 'Tee im Harem des Archimedes' auf der Kammerbühne des Deutschen Theaters. (...)

Christoph Franken verkörpert als fester DT-Schauspieler die Perspektive des westeuropäischen Durchschnittsliberalen, also unsere: einigermaßen aufgeklärt, aber rat- und hilflos.
Die Kollision existentieller Flüchtlingserfahrungen mit dem naiv-gutwilligen Wohlstandsbürger-Yoga-Milieu hat Calis treffend herausgearbeitet. Darin besteht die Stärke des Abends, an dem viele Schaumstoffpuppen, Rollen-Brüche und Live-Musik zum Einsatz kommen, um Klischees zu vermeiden.
Marof Yaghoubi, der in seiner Heimat gegen die Taliban gekämpft hat, flüchtete über den Iran und die Türkei per Schlauchboot nach Griechenland, mit sechs anderen Menschen: "Einer fiel über Bord und ertrank. Wir paddelten um unser Leben", erzählt er in Nuran David Calis' Inszenierung 'Tee im Harem des Archimedes' auf der Kammerbühne des Deutschen Theaters. (...)

Christoph Franken verkörpert als fester DT-Schauspieler die Perspektive des westeuropäischen Durchschnittsliberalen, also unsere: einigermaßen aufgeklärt, aber rat- und hilflos.
Die Kollision existentieller Flüchtlingserfahrungen mit dem naiv-gutwilligen Wohlstandsbürger-Yoga-Milieu hat Calis treffend herausgearbeitet. Darin besteht die Stärke des Abends, an dem viele Schaumstoffpuppen, Rollen-Brüche und Live-Musik zum Einsatz kommen, um Klischees zu vermeiden.

Außerdem im Spielplan

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Gastspiel
von Wolfram Lotz
Regie: Yannik Böhmer
Nachgespräch mit Ensemble und Team
Box
19.30
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse

Von Mainz bis an die Memel CXLI

Ein Videoschnipselvortrag von Kuttner
Deutsches Theater
20.00
Mit englischen Übertiteln
von Christa Wolf
Kammerspiele
20.00 - 22.20