Stallerhof

von Franz Xaver Kroetz
Regie Frank Abt
Kostüme Marie Roth
Musik Moritz Krämer
Dramaturgie Meike Schmitz
Premiere 23. Februar 2013
Thorsten HierseErzähler
Matthias NeukirchStaller
Isabel SchosnigStallerin
Mereika SchulzBeppi
Markwart Müller-ElmauSepp
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 26.02.2013
Wo sonst studierte Schauspielerinnen die Beppi verkörpern, steht nun zum ersten Mal eine behinderte Schauspielerin auf der Bühne: Mereika Schulz kommt vom Theater Thikwa, einem der beiden großen Berliner Ensembles für behinderte und nichtbehinderte Künstler. Abt ist sich allerdings auch der Gefahr bewusst, mit seiner Besetzungspolitik einerseits platt zu illustrieren, zum anderen Schulz' Fähigkeiten darauf zu reduzieren, sich selbst zu spielen. Deshalb umkreist Hierse sie als zärtlicher Spielemacher, gibt ihr STichworte, spricht oft ihren Text mit, und in dieser Doppelung steckt nicht nur die Ungewissheit, ob Hierse gerade souffliert, sondern vor allem Verfremdung und Irritation. Außerdem entsteht so ein neuer Freiraum zu höchst reduziertem Spiel: Oft sitzt Schulz' Beppi mit traumverlorenem Lächeln da und lässt die Geschichte passiv über sich ergehen. Dann wieder spricht sie ihre Texte mit einer erstaunlichen Ironie und Distanz. (...)

Bei Kroetz' angehängter Fortsetzung "Geisterbahn", als Beppi auf- und ausbricht mit dem Kind, einem Holzklotz, und zu Sepp in die Stadt zieht, also eine Utopie aufscheint, da beginnt dieser Abend innerlich zu glühen wie Thorsten Hierses Erzähler.
Wo sonst studierte Schauspielerinnen die Beppi verkörpern, steht nun zum ersten Mal eine behinderte Schauspielerin auf der Bühne: Mereika Schulz kommt vom Theater Thikwa, einem der beiden großen Berliner Ensembles für behinderte und nichtbehinderte Künstler. Abt ist sich allerdings auch der Gefahr bewusst, mit seiner Besetzungspolitik einerseits platt zu illustrieren, zum anderen Schulz' Fähigkeiten darauf zu reduzieren, sich selbst zu spielen. Deshalb umkreist Hierse sie als zärtlicher Spielemacher, gibt ihr STichworte, spricht oft ihren Text mit, und in dieser Doppelung steckt nicht nur die Ungewissheit, ob Hierse gerade souffliert, sondern vor allem Verfremdung und Irritation. Außerdem entsteht so ein neuer Freiraum zu höchst reduziertem Spiel: Oft sitzt Schulz' Beppi mit traumverlorenem Lächeln da und lässt die Geschichte passiv über sich ergehen. Dann wieder spricht sie ihre Texte mit einer erstaunlichen Ironie und Distanz. (...)

Bei Kroetz' angehängter Fortsetzung "Geisterbahn", als Beppi auf- und ausbricht mit dem Kind, einem Holzklotz, und zu Sepp in die Stadt zieht, also eine Utopie aufscheint, da beginnt dieser Abend innerlich zu glühen wie Thorsten Hierses Erzähler.
nachtkritik.de
Wolfgang Behrens, 23.03.2013
Stallerhof – Mit seiner Kroetz-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin macht Frank Abt einen längst fälligen Schritt voran

Die Darsteller begnügen sich mit ihrer genau in Kroetz' kunst-bajuwarisches Idiom hineinhörenden Wortkunst und mit ein paar hinreichend klar angedeuteten Körperhaltungen und Mienen: Markwart Müller-Elmaus geduckter Kopf etwa erzählt schon genug über seinen Sepp, er muss ihn nicht großartig hinchargieren. Mereika Schulz ist einfach dabei, sie spricht mit ihrer klaren Stimme (und sagt "Hümmel" statt "Himmel"), sie hantiert mit Holzpuppen oder sie schaukelt das Kind in der Wiege. Und all die voyeuristischen Fragen, die man als Zuschauer an sie und ihre Behinderung hatte, stellen sich nicht. Oder sie werden nicht beantwortet. Jedenfalls nicht auf der Bühne, sondern höchstens im Kopf des Zuschauers. Man verlässt das Theater ohne jede Peinlichkeit. Denn die Begegnung mit der sogenannten Randgruppe ist in großer Selbstverständlichkeit abgelaufen. Und denunziert wurde, so glaube ich, niemand.
Stallerhof – Mit seiner Kroetz-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin macht Frank Abt einen längst fälligen Schritt voran

Die Darsteller begnügen sich mit ihrer genau in Kroetz' kunst-bajuwarisches Idiom hineinhörenden Wortkunst und mit ein paar hinreichend klar angedeuteten Körperhaltungen und Mienen: Markwart Müller-Elmaus geduckter Kopf etwa erzählt schon genug über seinen Sepp, er muss ihn nicht großartig hinchargieren. Mereika Schulz ist einfach dabei, sie spricht mit ihrer klaren Stimme (und sagt "Hümmel" statt "Himmel"), sie hantiert mit Holzpuppen oder sie schaukelt das Kind in der Wiege. Und all die voyeuristischen Fragen, die man als Zuschauer an sie und ihre Behinderung hatte, stellen sich nicht. Oder sie werden nicht beantwortet. Jedenfalls nicht auf der Bühne, sondern höchstens im Kopf des Zuschauers. Man verlässt das Theater ohne jede Peinlichkeit. Denn die Begegnung mit der sogenannten Randgruppe ist in großer Selbstverständlichkeit abgelaufen. Und denunziert wurde, so glaube ich, niemand.

Außerdem im Spielplan

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In englischer Sprache
Gastspiel

The Evil

von Jan Guillou
Mit: Claes Bang
Regie: Julie Pauline Wieth
Nachgespräch mit Claes Bang
Box
15.00 - 16.05
Mit englischen Übertiteln
nach James Joyce
Deutsches Theater
19.00 - 22.50
18.30 Einführung – Saal
In englischer Sprache
Gastspiel

The Evil

von Jan Guillou
Mit: Claes Bang
Regie: Julie Pauline Wieth
Box
19.00 - 20.05
Mit englischen Übertiteln
von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Kammerspiele
19.30 - 21.55