Die lächerliche Finsternis

von Wolfram Lotz
Premiere 14. Dezember 2014
Alexander KhuonOliver Pellner
Moritz GroveStefan Dorsch / Tofdau
Kathleen MorgeneyerSomalischer Pirat / Lodetti / Deutinger / Stojković / Reverend Carter / Der Papagei
Till-Jan Meinen
Valentin Olbrich
Marof Yaghoubi
Oliver Pellner
Stefan Dorsch / Tofdau
Somalischer Pirat / Lodetti / Deutinger / Stojković / Reverend Carter / Der Papagei
Till-Jan Meinen, Valentin Olbrich, Marof Yaghoubi
Die deutsche Bühne
Reinhard Wengierek, 15.12.2014
Lotz packt das alles – Dritte-Welt-Elend, Aufruhr, Afghanistan, Somalia, Religionsfanatismus, Terrorismus, Seepiraterie, Ausbeutung, Kolonialismus, unsere Kriege gegen die-da-dort, also die anderen Kreaturen – mit gekonnter Naivität ins erhellend Groteske, Albtraumhafte. Wie anders wäre dieser Überkomplexität auch beizukommen in knapp zwei Stunden Theater. So lösen sich Zeiten und Räume auf und eine seltsam reale Phantasmagorie auf unseren kreuz und quer zerrissenen Globus wird entfesselt, in der zwei Bundewehrsoldaten, unterwegs in geheimer Mission im Auslandseinsatz, versacken (Alexander Khuon & Moritz Grove). Dabei haben die beiden Begegnungen der seltsamen oder sogar einigermaßen bekannten Art (Kathleen Morgeneyer in vielen verrückten Rollen). (...)

Daniela Löffner (...) denkt in ihrer in sehr vielen Momenten saukomischen Inszenierung mit den drei klasse Spielern doch stets an solche Lotz-Sätze wie 'Diese düstere Welt, in der alles bebt vor Leben.' – Oder: 'Der kleine singende Vogel im Nest unseres Herzens.' Singt der überhaupt noch? Oder krächzt er bloß noch? Oder ist er tot? Das sind die großen Fragen, die natürlich nicht klar beantwortet werden. Die Inszenierung gibt sie ans Publikum weiter. Wir haben da also was zum Grübeln. Danke.
Lotz packt das alles – Dritte-Welt-Elend, Aufruhr, Afghanistan, Somalia, Religionsfanatismus, Terrorismus, Seepiraterie, Ausbeutung, Kolonialismus, unsere Kriege gegen die-da-dort, also die anderen Kreaturen – mit gekonnter Naivität ins erhellend Groteske, Albtraumhafte. Wie anders wäre dieser Überkomplexität auch beizukommen in knapp zwei Stunden Theater. So lösen sich Zeiten und Räume auf und eine seltsam reale Phantasmagorie auf unseren kreuz und quer zerrissenen Globus wird entfesselt, in der zwei Bundewehrsoldaten, unterwegs in geheimer Mission im Auslandseinsatz, versacken (Alexander Khuon & Moritz Grove). Dabei haben die beiden Begegnungen der seltsamen oder sogar einigermaßen bekannten Art (Kathleen Morgeneyer in vielen verrückten Rollen). (...)

Daniela Löffner (...) denkt in ihrer in sehr vielen Momenten saukomischen Inszenierung mit den drei klasse Spielern doch stets an solche Lotz-Sätze wie 'Diese düstere Welt, in der alles bebt vor Leben.' – Oder: 'Der kleine singende Vogel im Nest unseres Herzens.' Singt der überhaupt noch? Oder krächzt er bloß noch? Oder ist er tot? Das sind die großen Fragen, die natürlich nicht klar beantwortet werden. Die Inszenierung gibt sie ans Publikum weiter. Wir haben da also was zum Grübeln. Danke.
nachtkritik.de
André Mumot, 15.12.2014
Es ist, Ausstatterin Claudia Kalinski sei Dank, eine visuell hinreißende Bootsfahrt geworden: Verträumt und stoisch zugleich schwebt das militärische Verkehrsmittel als schlichte Plattform die meiste Zeit über dem Boden, ausgepolstert von dickbauschigen weißen Folien, die sich im Verlauf der Reise immer weiter entfalten, riesig und immer riesiger werden, bis sie den gesamten Horizont ausfüllen. (...)

Alexander Khuon plustert sich auf, ist kerlig bis zum Umfallen, verzieht verächtlich die Mundwinkel und ignoriert sämtliche freundschaftlichen Annäherungsversuche des großartig verlegenen, gutmütig eingeschüchterten Moritz Grove. Die beiden bilden ein fabulöses Komödiengespann, während die viel beschäftigte Kathleen Morgeneyer von links und rechts dazu eilt und die grotesken Figuren darstellen darf, die ihnen auf ihrer Reise begegnen – einen italienischen Blauhelmsoldaten mit Espressotassen in der Hose, einen scheinheiligen Priester, ein geschäftstüchtiges Kriegsopfer und einen Papagei.
Es ist, Ausstatterin Claudia Kalinski sei Dank, eine visuell hinreißende Bootsfahrt geworden: Verträumt und stoisch zugleich schwebt das militärische Verkehrsmittel als schlichte Plattform die meiste Zeit über dem Boden, ausgepolstert von dickbauschigen weißen Folien, die sich im Verlauf der Reise immer weiter entfalten, riesig und immer riesiger werden, bis sie den gesamten Horizont ausfüllen. (...)

Alexander Khuon plustert sich auf, ist kerlig bis zum Umfallen, verzieht verächtlich die Mundwinkel und ignoriert sämtliche freundschaftlichen Annäherungsversuche des großartig verlegenen, gutmütig eingeschüchterten Moritz Grove. Die beiden bilden ein fabulöses Komödiengespann, während die viel beschäftigte Kathleen Morgeneyer von links und rechts dazu eilt und die grotesken Figuren darstellen darf, die ihnen auf ihrer Reise begegnen – einen italienischen Blauhelmsoldaten mit Espressotassen in der Hose, einen scheinheiligen Priester, ein geschäftstüchtiges Kriegsopfer und einen Papagei.
Kulturradio vom rbb
Mounia Meiborg, 15.12.2014
Die Bühnenbildnerin Claudia Kalinski hat die Gefahr von Dschungel-Folklore umschifft und ganz starke, eindrückliche Bilder geschaffen. Eine riesige weiße Plastikplane ist auf der Bühne zu sehen. In der Bühnenmitte entsteht aus dieser Plane das Boot. Irgendwann wird die Plane aufgezogen, sodass sie die ganze Bühne verkleidet. Und weil diese Plane so hoch hinaufragt, hat das tatsächlich was von Urwald. (...)
Im Zentrum steht der Hauptfeldwebel Oliver Pellner, der zugleich der Erzähler ist. Alexander Khuon spielt ihn als breitbeinigen Macho, der zur Begrüßung erstmal einen frauenfeindlichen Witz reißt. Zwischendurch gibt er Floskeln über die Grausamkeit der Natur von sich. Oder er schikaniert seinen Untergebenen, den Unteroffizier Stefan Dorsch. Moritz Grove spielt den großartig verdruckst und verschüchtert. (...)
Wolfram Lotz hatte den Text ursprünglich als Hörspiel geschrieben. Er besteht zum großen Teil aus erzählerischen Passagen. Die Regie findet dafür szenische Übersetzungen. Daniela Löffner hat große Lust am Theaterhaften und an der Verkleidung. (...)
Der Text hat eine schräge Fantasie, er ist voller Merkwürdigkeiten und Unwägbarkeiten. Wolfram Lotz beantwortet den Wahnsinn der Welt mit dem Wahnsinn des Theaters.
Die Bühnenbildnerin Claudia Kalinski hat die Gefahr von Dschungel-Folklore umschifft und ganz starke, eindrückliche Bilder geschaffen. Eine riesige weiße Plastikplane ist auf der Bühne zu sehen. In der Bühnenmitte entsteht aus dieser Plane das Boot. Irgendwann wird die Plane aufgezogen, sodass sie die ganze Bühne verkleidet. Und weil diese Plane so hoch hinaufragt, hat das tatsächlich was von Urwald. (...)
Im Zentrum steht der Hauptfeldwebel Oliver Pellner, der zugleich der Erzähler ist. Alexander Khuon spielt ihn als breitbeinigen Macho, der zur Begrüßung erstmal einen frauenfeindlichen Witz reißt. Zwischendurch gibt er Floskeln über die Grausamkeit der Natur von sich. Oder er schikaniert seinen Untergebenen, den Unteroffizier Stefan Dorsch. Moritz Grove spielt den großartig verdruckst und verschüchtert. (...)
Wolfram Lotz hatte den Text ursprünglich als Hörspiel geschrieben. Er besteht zum großen Teil aus erzählerischen Passagen. Die Regie findet dafür szenische Übersetzungen. Daniela Löffner hat große Lust am Theaterhaften und an der Verkleidung. (...)
Der Text hat eine schräge Fantasie, er ist voller Merkwürdigkeiten und Unwägbarkeiten. Wolfram Lotz beantwortet den Wahnsinn der Welt mit dem Wahnsinn des Theaters.
taz
Barbara Behrendt, 16.12.2014
Lotz schreibt keine leicht konsumierbaren Well-made-Plays. Er ist ein renitenter, geradezu größenwahnsinniger Autor, er will die Möglichkeiten des Theaters übersteigern, so wie die Wirklichkeit, sagt er, dessen Möglichkeiten übersteigt. Lotz (...) bricht die Regeln, weil er mit allem Ernst und vollem Herzen dem auf der Spur ist, was Wirklichkeit bedeutet. (...)
In Daniela Löffners Inszenierung am Deutschen Theater Berlin hält Kathleen Morgeneyer den Monolog des Piraten. Sie erzählt von leergefischten, wasserlosen Meeren und von ihrem Diplom in Piraterie. Danach entern Alexander Khuon als machohafer Hauptfeldwebel Pellner und Moritz Grove als subalterner Unteroffizier Dorsch die Szene - es sind allesamt tolle Besetzungen. (...)
Die Fahrt in die Finsternisse des Kriegs wird zur Expedition in die Irrsinnswelt des eigenen Inneren. (...) Denn darauf kommt es der Inszenierung an: Sie zeigt neben den pointierten Slapstick-Einlagen von Khuon, Grove und Morgeneyer, den existentiellen Wahnsinn dieser militärischen Expedition.
Lotz schreibt keine leicht konsumierbaren Well-made-Plays. Er ist ein renitenter, geradezu größenwahnsinniger Autor, er will die Möglichkeiten des Theaters übersteigern, so wie die Wirklichkeit, sagt er, dessen Möglichkeiten übersteigt. Lotz (...) bricht die Regeln, weil er mit allem Ernst und vollem Herzen dem auf der Spur ist, was Wirklichkeit bedeutet. (...)
In Daniela Löffners Inszenierung am Deutschen Theater Berlin hält Kathleen Morgeneyer den Monolog des Piraten. Sie erzählt von leergefischten, wasserlosen Meeren und von ihrem Diplom in Piraterie. Danach entern Alexander Khuon als machohafer Hauptfeldwebel Pellner und Moritz Grove als subalterner Unteroffizier Dorsch die Szene - es sind allesamt tolle Besetzungen. (...)
Die Fahrt in die Finsternisse des Kriegs wird zur Expedition in die Irrsinnswelt des eigenen Inneren. (...) Denn darauf kommt es der Inszenierung an: Sie zeigt neben den pointierten Slapstick-Einlagen von Khuon, Grove und Morgeneyer, den existentiellen Wahnsinn dieser militärischen Expedition.
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 16.12.2014
In einer Art magischem Realismus schickt (Wolfram Lotz) Pellner und Unteroffizier Stefan Dorsch durch eine Krisengebietsmischung aus Afrika, Afghanistan, Ex-Jugoslawien. Aber eigentlich geht es immer um uns, um die Unmöglichkeit, über das Andere, das Fremde anders als in Klischees zu reden, gar den Anderen eine Stimme zu verleihen, die mehr spiegelt als unsere Vorstellung von ihnen, wie der Monolog eines somalischen Piraten zu Beginn zeigt. Unter dem Witz (der Text ist eine veritable Komödie) pulsiert die Sehnsucht – und die Trauer darüber, dass die Welt so eingerichtet ist, wie sie ist. In einer Art magischem Realismus schickt (Wolfram Lotz) Pellner und Unteroffizier Stefan Dorsch durch eine Krisengebietsmischung aus Afrika, Afghanistan, Ex-Jugoslawien. Aber eigentlich geht es immer um uns, um die Unmöglichkeit, über das Andere, das Fremde anders als in Klischees zu reden, gar den Anderen eine Stimme zu verleihen, die mehr spiegelt als unsere Vorstellung von ihnen, wie der Monolog eines somalischen Piraten zu Beginn zeigt. Unter dem Witz (der Text ist eine veritable Komödie) pulsiert die Sehnsucht – und die Trauer darüber, dass die Welt so eingerichtet ist, wie sie ist.
Zitty
Anna Opel, 01.01.2015
Wolfram Lotz wirbelt in seinem poetischen Kriegsdrama Motive von Joseph Conrads 'Herz der Finsternis' und Coppolas 'Apocalypse Now!' durcheinander, stochert nach den globalen Zusammenhängen heutiger Kriegsschauplätze und spült den Irrwitz aller Moral ans Licht. Heraus kommt ein buntes Kasperletheater voller Schrecken und Absurdität: Bundeswehreinsatz in Afghanistan und Pira­terie in Somalia, Über fischung der Ozeane, Rassismus, Prosti­tution, Kolonialismus. Oberfeldwebel Pellner und Unteroffizier Dorsch stolpern durch die Szenerien, alles andere als souverän, und die Schauspieler laufen zu Bestform auf. Wolfram Lotz wirbelt in seinem poetischen Kriegsdrama Motive von Joseph Conrads 'Herz der Finsternis' und Coppolas 'Apocalypse Now!' durcheinander, stochert nach den globalen Zusammenhängen heutiger Kriegsschauplätze und spült den Irrwitz aller Moral ans Licht. Heraus kommt ein buntes Kasperletheater voller Schrecken und Absurdität: Bundeswehreinsatz in Afghanistan und Pira­terie in Somalia, Über fischung der Ozeane, Rassismus, Prosti­tution, Kolonialismus. Oberfeldwebel Pellner und Unteroffizier Dorsch stolpern durch die Szenerien, alles andere als souverän, und die Schauspieler laufen zu Bestform auf.

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