Kein Schiff wird kommen

von Nis-Momme Stockmann
Ein Stück über die Wende soll er schreiben. Ein großes Drama, das auf dem Markt „Theater“ bestehen kann. Aber er hat keinen Bezug zur Wendezeit, war noch ein Kind, als die Mauer fiel, und auch nicht in Berlin, sondern fernab der revolutionären Ereignisse, auf der Nordseeinsel Föhr. Und genau dorthin fährt der junge Autor nun zurück, will seinen Vater interviewen und erhofft sich von ihm die „nachhaltige“ Geschichte, die Intendanten und Dramaturgen von ihm fordern. Unerwartet und schmerzhaft stößt er dabei auf sein eigenes 1989, auf die verschüttete Erinnerung an seine Mutter, deren persönliches Schicksal die große Politik jener Zeit überschattete. ‚Kein Schiff wird kommen‘ ist Familientragödie, Künstler- und Geschichtsdrama zugleich und letztlich ein Stück über zwei Mauern – die Berliner und die zwischen den Generationen.
Regie Frank Abt
Dramaturgie Meike Schmitz
Premiere 18. Oktober 2010
Elias Arens
Silke Lange
Markwart Müller-Elmau
Paul Schröder
Tip Berlin
Christine Wahl, 28.10.2010
Frank Abt kann in seiner Inszenierung einen wirklichen Trumpf aufbieten: den Schauspieler Paul Schröder. Weil der als hochenergetische Erscheinung nicht nur in jedem Satz mindestens siebenundzwanzig Facetten entdeckt, sondern die dann auch noch mit unglaublicher Präzision spielen kann. Frank Abt kann in seiner Inszenierung einen wirklichen Trumpf aufbieten: den Schauspieler Paul Schröder. Weil der als hochenergetische Erscheinung nicht nur in jedem Satz mindestens siebenundzwanzig Facetten entdeckt, sondern die dann auch noch mit unglaublicher Präzision spielen kann.
Der Tagesspiegel
Christoph Funke, 21.10.2010
In der Box des Deutschen Theaters hat Frank Abt den anspruchsvollen, gedankenschweren, monologisch strukturierten Text inszeniert und ihm erstaunliche Frische verliehen. Es gelingt ihm, den hohen Anspruch des Autors, in die Tiefen geschichtlicher und familiärer Geschehnisse vorzudringen, mit sinnlicher Kraft auf die Bühne zu katapultieren. In der Box des Deutschen Theaters hat Frank Abt den anspruchsvollen, gedankenschweren, monologisch strukturierten Text inszeniert und ihm erstaunliche Frische verliehen. Es gelingt ihm, den hohen Anspruch des Autors, in die Tiefen geschichtlicher und familiärer Geschehnisse vorzudringen, mit sinnlicher Kraft auf die Bühne zu katapultieren.
Berliner Zeitung
Dirk Pilz, 20.10.2010
Es ist ein schön verschachteltes Stück, das sehr clever daherkommt. Im Grunde funktioniert es wie eine Beichte über Theater- und Theaterautorennöte. Entsprechend wird der Zuschauer in den Stand des Seelsorgers erhoben: Wir sitzen gleichsam am Krankenbett der Gegenwartsdramatik. Am allerschönsten ist aber, was der junge Schauspieler Paul Schröder daraus macht: eine Beicht-Spiel-Figurenshow. Schröder kann sich innerhalb einer Minute in mindestens fünfzig verschiedenen Figuren-Daseinsweisen verwandeln. Es  gibt auch noch andere Spieler an diesem von Frank Abt geschaffenen Abend, kluge Textverschiebungen und Figuren Verdopplungen. Aber alles das wäre nichts ohne die Zauberkunst Paul Schröders: Sie ist schönstes Vorhangtheater und ihre Demontage zugleich. Es ist ein schön verschachteltes Stück, das sehr clever daherkommt. Im Grunde funktioniert es wie eine Beichte über Theater- und Theaterautorennöte. Entsprechend wird der Zuschauer in den Stand des Seelsorgers erhoben: Wir sitzen gleichsam am Krankenbett der Gegenwartsdramatik. Am allerschönsten ist aber, was der junge Schauspieler Paul Schröder daraus macht: eine Beicht-Spiel-Figurenshow. Schröder kann sich innerhalb einer Minute in mindestens fünfzig verschiedenen Figuren-Daseinsweisen verwandeln. Es  gibt auch noch andere Spieler an diesem von Frank Abt geschaffenen Abend, kluge Textverschiebungen und Figuren Verdopplungen. Aber alles das wäre nichts ohne die Zauberkunst Paul Schröders: Sie ist schönstes Vorhangtheater und ihre Demontage zugleich.
Berliner Morgenpost
Anne Peter, 20.10.2010
In der Box des Deutschen Theaters erlaubt sich Regisseur Frank Abt mit dem Text einige wohltuende Freiheiten, streicht, würfelt Textteile woanders hin - zugunsten eines klar fokussierten Abends, der es ganz auf das Kopfdrama des jungen Autors abgesehen hat. (...) Paul Schröder, der diesen Abend bei dezentem Einsatz von Elias Arens, Markwart Müller-Elmau und Akkordeon-Spielerin Silke Lange quasi im Alleingang wuppt, ist ein echter Glücksfall. Mit energetischem Großeinsatz fabuliert er uns die Innenwelt der Figur direkt ins Herz, leichtfüßig meistert er jeden Rollen-Sprung. Ein Grübchen-Grinsen - und schon hat sich Schröder zu Intendant und Autor verzweifacht. Blitzschnell lässt er die Stimme von maximal-genervt auf kumpelhaft-fröhlich switchen und ist Vater und Sohn in einem. In der Box des Deutschen Theaters erlaubt sich Regisseur Frank Abt mit dem Text einige wohltuende Freiheiten, streicht, würfelt Textteile woanders hin - zugunsten eines klar fokussierten Abends, der es ganz auf das Kopfdrama des jungen Autors abgesehen hat. (...) Paul Schröder, der diesen Abend bei dezentem Einsatz von Elias Arens, Markwart Müller-Elmau und Akkordeon-Spielerin Silke Lange quasi im Alleingang wuppt, ist ein echter Glücksfall. Mit energetischem Großeinsatz fabuliert er uns die Innenwelt der Figur direkt ins Herz, leichtfüßig meistert er jeden Rollen-Sprung. Ein Grübchen-Grinsen - und schon hat sich Schröder zu Intendant und Autor verzweifacht. Blitzschnell lässt er die Stimme von maximal-genervt auf kumpelhaft-fröhlich switchen und ist Vater und Sohn in einem.
www.nachtkritik.de
Georg Kasch, 18.10.2010
Ein kleiner großer Abend. Das liegt zum einen an Regisseur Frank Abt, der wie Stockmann keine Scheu vorm menschenfreundlichen Gefühleausloten und zugleich das Fingerspitzengefühl besitzt, sich bildende Kitschkrusten sofort abzukratzen. Behutsam häutet er den Text, nähert sich den beiden autistischen Charakteren über Monologe, die den anderen adressieren, mitdenken, aber eigentlich nur sich selbst meinen.

Die vollständige Kritik finden Sie hier.
Ein kleiner großer Abend. Das liegt zum einen an Regisseur Frank Abt, der wie Stockmann keine Scheu vorm menschenfreundlichen Gefühleausloten und zugleich das Fingerspitzengefühl besitzt, sich bildende Kitschkrusten sofort abzukratzen. Behutsam häutet er den Text, nähert sich den beiden autistischen Charakteren über Monologe, die den anderen adressieren, mitdenken, aber eigentlich nur sich selbst meinen.

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