Herz der Finsternis

nach Joseph Conrad Übersetzung und Bearbeitung John von Düffel
Bühne / Kostüme Johanna Pfau
Dramaturgie John von Düffel
Uraufführung 17. September 2009
Olivia Gräser
Natali Seelig
Elias Arens
Harald Baumgartner
Daniel Hoevels
Peter Moltzen
Markwart Müller-Elmau
Zitty
Kerstin Decker, 04.09.2009
Die Bühne ist eine blasse Herzkammer und irgendwann lassen sich sechs riesige afrikanische Götzen darin nieder: die wahren Gesichter Afrikas. Und der zweite Blick erkennt: es sind sechs fast verhungerte Kinder. Ein unaufhebbares Spiegelspiel. Großartig, wo Kriegenburg solche Überblendungen gelingen. Und Conrads Text ist voll von Sätzen, Satzkontinenten, die erst ihre ganze Ausdehnung erreichen, werden sie wie hier im Chor gesprochen, in einem vielstimmig-dissonanten Chor: ‚Wir leben wie wir träumen – allein.‘ Die Bühne ist eine blasse Herzkammer und irgendwann lassen sich sechs riesige afrikanische Götzen darin nieder: die wahren Gesichter Afrikas. Und der zweite Blick erkennt: es sind sechs fast verhungerte Kinder. Ein unaufhebbares Spiegelspiel. Großartig, wo Kriegenburg solche Überblendungen gelingen. Und Conrads Text ist voll von Sätzen, Satzkontinenten, die erst ihre ganze Ausdehnung erreichen, werden sie wie hier im Chor gesprochen, in einem vielstimmig-dissonanten Chor: ‚Wir leben wie wir träumen – allein.‘
Neues Deutschland
Hans-Dieter Schütt, 19.09.2009
Kriegenburg ist – vor allem im Beginn seiner Aufführungen – ein Expressionist. Oft wirken seine Gestalten wie letztverbliebene Flüchtlinge aus Stummfilmen; slapstickend zeitversetzte Lebenspartikel, die gern große Augen hätten fürs Weltbestaunen, aber denen doch nur ein verwalterisch eifriges Hin- und Herhuschen oder verkrümmtes Entlangschleichen gelingt.
Die herb-schöne Natali Seelig ist gleichsam der dominante, der ‚Haupt‘-Marlow, sie ist es mit klagender, vokalkräfiger Stimme, aus deren Tiefen mehr und mehr die Wahrheit hochschlägt: Jeder Irrsinn, dem wir begegnen, hat seine Filiale in uns, jede Gier und jedes Böse. Daniel Hoevels gibt körperlich brillant einen Harlekin in Kurtz‘ Regime; Gebrochenheit, Hassliebe-Schizophrenie als zuckender Tanz.
Riesige Menschenpuppen, die herabgelassen werden, schwarze Sklaven, Skelette fast, überlange Arme und Beine. Die Kreatur blickt, so wissend blickt kein Gott, so blickt nur der arme Mensch. Und Kriegenburgs Theater wagt, wie schon so oft und nah an Kleists Marionetten-Weisheit, höchste Künstlichkeit für tiefste Anrührung.
Kriegenburg ist – vor allem im Beginn seiner Aufführungen – ein Expressionist. Oft wirken seine Gestalten wie letztverbliebene Flüchtlinge aus Stummfilmen; slapstickend zeitversetzte Lebenspartikel, die gern große Augen hätten fürs Weltbestaunen, aber denen doch nur ein verwalterisch eifriges Hin- und Herhuschen oder verkrümmtes Entlangschleichen gelingt.
Die herb-schöne Natali Seelig ist gleichsam der dominante, der ‚Haupt‘-Marlow, sie ist es mit klagender, vokalkräfiger Stimme, aus deren Tiefen mehr und mehr die Wahrheit hochschlägt: Jeder Irrsinn, dem wir begegnen, hat seine Filiale in uns, jede Gier und jedes Böse. Daniel Hoevels gibt körperlich brillant einen Harlekin in Kurtz‘ Regime; Gebrochenheit, Hassliebe-Schizophrenie als zuckender Tanz.
Riesige Menschenpuppen, die herabgelassen werden, schwarze Sklaven, Skelette fast, überlange Arme und Beine. Die Kreatur blickt, so wissend blickt kein Gott, so blickt nur der arme Mensch. Und Kriegenburgs Theater wagt, wie schon so oft und nah an Kleists Marionetten-Weisheit, höchste Künstlichkeit für tiefste Anrührung.
BZ online
Martina Hafner, 18.09.2009
Vor allem beeindruckt Kriegenburgs Personenführung. Stimmen und Bewegungen sind bis ins Detail durchchoreographiert, eine absolut professionelle Regie-Arbeit.
Daniel Hoevels spielt einen mit Matsch und Farbe beschmierten Harlekin, einen Mann, der im Dschungel schlicht den Verstand verloren hat. Man staunt fast fassungslos, wie der Hoevels seinen Körper mit leicht zuckenden Bewegungen einsetzt.
Vor allem beeindruckt Kriegenburgs Personenführung. Stimmen und Bewegungen sind bis ins Detail durchchoreographiert, eine absolut professionelle Regie-Arbeit.
Daniel Hoevels spielt einen mit Matsch und Farbe beschmierten Harlekin, einen Mann, der im Dschungel schlicht den Verstand verloren hat. Man staunt fast fassungslos, wie der Hoevels seinen Körper mit leicht zuckenden Bewegungen einsetzt.

Außerdem im Spielplan

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Mit englischen Übertiteln
von Carl Zuckmayer
Regie: Jan Bosse
Deutsches Theater
20.00 - 22.30
Mit englischen Übertiteln
Kammerspiele
20.30 - 21.40