Die vier Himmelsrichtungen

von Roland Schimmelpfennig
Bühne und Kostüme Johannes Schütz
Dramaturgie Ulrich Beck
Berlin-Premiere 28. Oktober 2011
Koproduktion mit den Salzburger Festspielen
Ulrich MatthesEin Mann
Kathleen MorgeneyerEine junge Frau
Andreas DöhlerEin kräftiger Mann
Almut ZilcherEine Frau
Ein Mann
Eine junge Frau
Ein kräftiger Mann
Eine Frau
Die Welt
Ulrich Weinzierl, 01.08.2011
Kein Wunder, dass derlei allerhöchste, präziseste Schauspielkunst erfordert: Artisten, Jongleure, Hochseilakrobaten der Worte. In Ulrich Matthes und Almut Zilcher, in Kathleen Morgeneyer und Andreas Döhler hat Schimmelpfennig sie gefunden. Ein hinreißend aufeinander abgestimmtes Quartett. Einzeln treten sie nach vorne auf die Spielfläche, halten ihre Monologe ins Publikum hinein, vereinigen sich zum Chor. Szenen werden angerissen, Rollen vertauscht. Alsbald zieht uns die Aufführung in eine Atmosphäre des Wachtraums jenseits der bei Tage geltenden Logik. Dazu trägt nicht zuletzt Robert Grauels raffinierte Beleuchtungstechnik bei. Sie verleiht den Gestalten die Aura des Fremden, Vereinzelten. Verirrten. Frei von modischen Videoschnipseln inszeniert Schimmelpfennig, auf der Zeitebene hin- und herfahrend, an Fellini erinnerndes Filmtheater, er schafft einen Kosmos von bedrohlicher Schönheit des Mehrdeutigen. Kein Wunder, dass derlei allerhöchste, präziseste Schauspielkunst erfordert: Artisten, Jongleure, Hochseilakrobaten der Worte. In Ulrich Matthes und Almut Zilcher, in Kathleen Morgeneyer und Andreas Döhler hat Schimmelpfennig sie gefunden. Ein hinreißend aufeinander abgestimmtes Quartett. Einzeln treten sie nach vorne auf die Spielfläche, halten ihre Monologe ins Publikum hinein, vereinigen sich zum Chor. Szenen werden angerissen, Rollen vertauscht. Alsbald zieht uns die Aufführung in eine Atmosphäre des Wachtraums jenseits der bei Tage geltenden Logik. Dazu trägt nicht zuletzt Robert Grauels raffinierte Beleuchtungstechnik bei. Sie verleiht den Gestalten die Aura des Fremden, Vereinzelten. Verirrten. Frei von modischen Videoschnipseln inszeniert Schimmelpfennig, auf der Zeitebene hin- und herfahrend, an Fellini erinnerndes Filmtheater, er schafft einen Kosmos von bedrohlicher Schönheit des Mehrdeutigen.
Der Standard
Margarete Affenzeller, 01.08.2011
Dramatische Momente werden nicht ausagiert, sondern zitiert oder nacherzählt. Und dennoch erzeugt das alles zusammen eine Spannung und Unmittelbarkeit, also Dramatik, die klassische Rollenspiele heute sonst kaum mehr glaubwürdig erzielen können.
(...)
Auch die Einheit der Zeit: adieu - und das ist klug, denn das Vor- und Zurückgreifen, die Wiederholungen ermöglichen wie schon im Vorgängerstück Peggy Pickit unterschiedliche Perspektivierungen und Rhythmik.
Dramatische Momente werden nicht ausagiert, sondern zitiert oder nacherzählt. Und dennoch erzeugt das alles zusammen eine Spannung und Unmittelbarkeit, also Dramatik, die klassische Rollenspiele heute sonst kaum mehr glaubwürdig erzielen können.
(...)
Auch die Einheit der Zeit: adieu - und das ist klug, denn das Vor- und Zurückgreifen, die Wiederholungen ermöglichen wie schon im Vorgängerstück Peggy Pickit unterschiedliche Perspektivierungen und Rhythmik.
der Freitag
Thomas Rothschild, 18.08.2011
Und das ist es, was den Geschichten erzählenden Dramatiker Schimmelpfennig von einem echten Epiker unterscheidet. Sein Text kommt erst mit dem Tonfall der Sprecher, mit dem Klang der Stimme, dem lauten Vortrag also zu sich selbst. Deshalb stehen und fallen seine Stücke mit den Schauspielern, und die sind, das sei vorweggenommen, in dieser Inszenierung, in der der Autor selbst Regie führte, von allererster Qualität. Da nähert sich das Sprechtheater der Oper an. Und das ist es, was den Geschichten erzählenden Dramatiker Schimmelpfennig von einem echten Epiker unterscheidet. Sein Text kommt erst mit dem Tonfall der Sprecher, mit dem Klang der Stimme, dem lauten Vortrag also zu sich selbst. Deshalb stehen und fallen seine Stücke mit den Schauspielern, und die sind, das sei vorweggenommen, in dieser Inszenierung, in der der Autor selbst Regie führte, von allererster Qualität. Da nähert sich das Sprechtheater der Oper an.
Mitteldeutsche Zeitung
Irmgard Rieger, 09.08.2011
So schematisch der Dramatiker Schimmelpfennig sein Thema aufbereitet, so sehr gelingt es dem Regisseur Schimmelpfennig, die scheinbare Klarheit wieder aufzulösen und mit einfachen Mitteln große Fragen zu stellen. Ein wunderbares Ensemble mit Ulrich Matthes, Kathleen Morgeneyer, Andreas Döhler und Almut Zilcher hält die Balance zwischen lakonischem Humor und kalter Poesie. So schematisch der Dramatiker Schimmelpfennig sein Thema aufbereitet, so sehr gelingt es dem Regisseur Schimmelpfennig, die scheinbare Klarheit wieder aufzulösen und mit einfachen Mitteln große Fragen zu stellen. Ein wunderbares Ensemble mit Ulrich Matthes, Kathleen Morgeneyer, Andreas Döhler und Almut Zilcher hält die Balance zwischen lakonischem Humor und kalter Poesie.
Oberpfalznetz
Peter Geiger, 10.08.2011
Roland Schimmelpfennig, derzeit meistgespielter Autor auf deutschsprachigen Bühnen, hat etwas von Bob Dylan: Wie ein Magnet polt er alles, was auf ihn einströmt, in Richtung Kunst. Roland Schimmelpfennig, derzeit meistgespielter Autor auf deutschsprachigen Bühnen, hat etwas von Bob Dylan: Wie ein Magnet polt er alles, was auf ihn einströmt, in Richtung Kunst.
Münchner Merkur
01.08.2011
Auf der Bühne findet dieser seine adäquate Umsetzung: Johannes Schütz hat einen Raum aus Nebel und Zwielicht geschaffen, an dessen Himmel einzig das Sternbild des Perseus ab und an für Helligkeit sorgt. Sand auf dem Boden – es könnte die Senke sein, in der die Ladung vom Lkw rutschte. Es könnte aber auch jene symbolische Manege sein, in der die verlorenen Gestalten dieses „Zirkus des Todes“ (Schimmelpfennig) ihre Auftritte haben. Ein Podest in der Bühnenmitte, ein von links nach rechts gespanntes Stahlseil für einen imaginären Vorhang erinnert ebenfalls daran. Hier entwickeln Ulrich Matthes, Kathleen Morgeneyer, Andreas Döhler und Almut Zilcher mit wenigen Requisiten, aber großem, exaktem Sprachgefühl die Geschichte. Auf der Bühne findet dieser seine adäquate Umsetzung: Johannes Schütz hat einen Raum aus Nebel und Zwielicht geschaffen, an dessen Himmel einzig das Sternbild des Perseus ab und an für Helligkeit sorgt. Sand auf dem Boden – es könnte die Senke sein, in der die Ladung vom Lkw rutschte. Es könnte aber auch jene symbolische Manege sein, in der die verlorenen Gestalten dieses „Zirkus des Todes“ (Schimmelpfennig) ihre Auftritte haben. Ein Podest in der Bühnenmitte, ein von links nach rechts gespanntes Stahlseil für einen imaginären Vorhang erinnert ebenfalls daran. Hier entwickeln Ulrich Matthes, Kathleen Morgeneyer, Andreas Döhler und Almut Zilcher mit wenigen Requisiten, aber großem, exaktem Sprachgefühl die Geschichte.

Außerdem im Spielplan

Heute2425262728293031Februar 12345678910111213141516171819202122232425262728März 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
zum 25. Mal
Eine Inszenierung des Jungen DT

2 Uhr 14

von David Paquet
aus dem Frankokanadischen von Frank Weigand
Box
19.00 - 20.15
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
Buchvorstellung

Willkommen anderswo – sich spielend begegnen

Theaterarbeiten mit Einheimischen und Geflüchteten
Mit Prof. Dr. Günther Heeg (Universität Leipzig), Moderation: Lutz Hillmann, sowie Studierenden der Leipziger Theaterwissenschaft und Schauspieler_innen des Bautzener Ensembles
Saal
19.30
Eintritt frei
von Einar Schleef
Kammerspiele
20.00 - 21.45