Die Ratten

von Gerhart Hauptmann
Das Stück beginnt bereits im Aufnahmezustand: Das polnische Dienstmädchen Pauline Piperkarcka hat sich hochschwanger auf den Berliner Dachboden geflüchtet, auf dem der Theaterdirektor Harro Hassenreuter seinen Theaterfundus lagert. Unter der Obhut der Frau John sollte sie hier eigentlich heimlich gebären können, aber es kommt alles anders. Von überall her rotten sich Menschen zusammen, kommen aus ihren Löchern - wie die Ratten. Die John ist auch dabei. Sie will das Kind behalten, als Ersatz für ihr totes, es notfalls Pauline abkaufen, um so ihre Ehe zu retten. Als Pauline den Handel bereut und das Kleine wiederhaben will, reagiert Frau John panisch. Ein Strudel von Ereignissen nimmt hier seinen Ausgang - am Ende wird er gleich mehrere der verzweifelt handelnden Personen mit sich reißen.    Gerhart Hauptmann erzählt in seiner großen, über 24 Jahre hin entwickelten „Tragikomödie“ von Berlin, vom Theater - vor allem aber von Menschen in äußerster Not.
Premiere 06.10.2007
Helmut MooshammerHarro Hassenreuter
Barbara SchnitzlerFrau Hassenreuter
Lotte OhmWalburga, deren Tochter
Mathis ReinhardtErich Spitta
Isabel SchosnigAlice Rütterbusch
Constanze BeckerFrau John
Niklas Korth / Mirco KreibichBruno Mechelke
Regine ZimmermannPauline Piperkarcka
Katrin KleinSidonie Knobbe
Henrike Johanna JörissenSelma
Michael BenthinQuaquaro
Harro Hassenreuter
Frau Hassenreuter
Walburga, deren Tochter
Erich Spitta
Alice Rütterbusch
Frau John
Niklas Korth / Mirco Kreibich
Bruno Mechelke
Pauline Piperkarcka
Sidonie Knobbe
Quaquaro
Süddeutsche Zeitung
07.10.2007
Dass man der Aufführung hellwach zusieht, liegt vor allem an zwei Schauspielern, die hier einen großen Abend haben: Constanze Becker und Sven Lehmann als Ehepaar John. Sven Lehmanns John ist ein Mensch, der gerne aufstampft. Je lauter er brüllt, desto alberner, hilfloser und trauriger sieht er aus. Er dementiert die beengende Bühne – und zeigt gerade dadurch ihre Gewalt. Constanze Becker ist als Frau John ein Ereignis. Wie schon als Klytämnestra in Thalheimers 'Orestie' gibt diese erstaunliche Schauspielerin ihrer Figur eine beängstigende Härte, unter der man sorgfältig versteckte Gefühle und unerfüllte Sehnsüchte eher ahnen kann, als dass man sie zu fassen bekäme. Nie ironisiert sie die Figur, nie rutscht sie ab in die Denunziation oder in ihr Gegenteil, den Wunsch, eine herbe Frau sympathisch weich zu zeichnen. Noch in zarten Momenten, als sie der weinenden Pauline (Regine Zimmermann) das Gesicht streichelt und sie tröstend umarmt, verliert sie Kalkül und Herbheit nicht. Die proletarische Schlagfertigkeit der John, die Überlebensschläue, die selbstverständliche Rücksichtslosigkeit, das ständige Kämpfen darum, irgendwie durchzukommen und sich den verzehrenden Wunsch nach einem Kind doch noch zu erfüllen, das zeigt Becker mit atemberaubender Kraft und großer Klarheit. Erst ganz am Ende, als ihre Lügenkonstruktion kollabiert und der Bruder als Mörder verhaftet ist, gönnt sie sich Momente der Weichheit und des offenen ungeschützten Gefühls. Plötzlich ist sie, jetzt, da alles verloren ist, den Druck los, der sie davor die ganze Zeit beherrscht hat. Fast wirkt ihr Scheitern wie eine Befreiung. Dass man der Aufführung hellwach zusieht, liegt vor allem an zwei Schauspielern, die hier einen großen Abend haben: Constanze Becker und Sven Lehmann als Ehepaar John. Sven Lehmanns John ist ein Mensch, der gerne aufstampft. Je lauter er brüllt, desto alberner, hilfloser und trauriger sieht er aus. Er dementiert die beengende Bühne – und zeigt gerade dadurch ihre Gewalt. Constanze Becker ist als Frau John ein Ereignis. Wie schon als Klytämnestra in Thalheimers 'Orestie' gibt diese erstaunliche Schauspielerin ihrer Figur eine beängstigende Härte, unter der man sorgfältig versteckte Gefühle und unerfüllte Sehnsüchte eher ahnen kann, als dass man sie zu fassen bekäme. Nie ironisiert sie die Figur, nie rutscht sie ab in die Denunziation oder in ihr Gegenteil, den Wunsch, eine herbe Frau sympathisch weich zu zeichnen. Noch in zarten Momenten, als sie der weinenden Pauline (Regine Zimmermann) das Gesicht streichelt und sie tröstend umarmt, verliert sie Kalkül und Herbheit nicht. Die proletarische Schlagfertigkeit der John, die Überlebensschläue, die selbstverständliche Rücksichtslosigkeit, das ständige Kämpfen darum, irgendwie durchzukommen und sich den verzehrenden Wunsch nach einem Kind doch noch zu erfüllen, das zeigt Becker mit atemberaubender Kraft und großer Klarheit. Erst ganz am Ende, als ihre Lügenkonstruktion kollabiert und der Bruder als Mörder verhaftet ist, gönnt sie sich Momente der Weichheit und des offenen ungeschützten Gefühls. Plötzlich ist sie, jetzt, da alles verloren ist, den Druck los, der sie davor die ganze Zeit beherrscht hat. Fast wirkt ihr Scheitern wie eine Befreiung.
Die Welt
Reinhard Wengierek, 07.10.2007
Thalheimers 'Ratten'-Inszenierung darf als ein Höhepunkt seiner ingeniös redundanzfreien Auf-den-Punkt-Bringe-Poesie gelten. Sie ist so karg wie stark. So fantastisch wie lakonisch. So gedankenschwer und universal wie leicht und konkret. Ein erhellendes Denk-, ein grandioses Mitfühlstück. Thalheimers 'Ratten'-Inszenierung darf als ein Höhepunkt seiner ingeniös redundanzfreien Auf-den-Punkt-Bringe-Poesie gelten. Sie ist so karg wie stark. So fantastisch wie lakonisch. So gedankenschwer und universal wie leicht und konkret. Ein erhellendes Denk-, ein grandioses Mitfühlstück.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gerhard Stadelmaier, 08.10.2007
So zeigt das traurige alte Stück mit seiner gespenstischen alten Geschichte und seiner seltsamen alten Sprache in dieser Aufführung, was es an großen, überwältigenden, wahnwitzschaudernden Gefühlen noch aufrühren kann. Hier und heute. Wenn man an es glaubt. Hingerissener Beifall für Thalheimers Glaubensbekenntnis. Ovationen für die glaubenswürdigen Schauspieler. So zeigt das traurige alte Stück mit seiner gespenstischen alten Geschichte und seiner seltsamen alten Sprache in dieser Aufführung, was es an großen, überwältigenden, wahnwitzschaudernden Gefühlen noch aufrühren kann. Hier und heute. Wenn man an es glaubt. Hingerissener Beifall für Thalheimers Glaubensbekenntnis. Ovationen für die glaubenswürdigen Schauspieler.
Spiegel Online
Christine Wahl, 07.10.2007
Was die junge Becker - eine der Protagonistinnen aus Andres Veiels Dokumentarfilm 'Die Spielwütigen' - da auf die Bühne wuchtet, ist schlichtweg ein Hammer! Und wenn Sven Lehmann als Ehemann, der seine Liebe erst begreift, als beide sich selbst - und erst recht einander - längst abhanden gekommen sind, sich am Schluss wie blind über die Bühne tastet, hat man einen der berührendsten liebestragödischen Momente gesehen, die deutsche Bühnen derzeit zu bieten haben. Was die junge Becker - eine der Protagonistinnen aus Andres Veiels Dokumentarfilm 'Die Spielwütigen' - da auf die Bühne wuchtet, ist schlichtweg ein Hammer! Und wenn Sven Lehmann als Ehemann, der seine Liebe erst begreift, als beide sich selbst - und erst recht einander - längst abhanden gekommen sind, sich am Schluss wie blind über die Bühne tastet, hat man einen der berührendsten liebestragödischen Momente gesehen, die deutsche Bühnen derzeit zu bieten haben.

Außerdem im Spielplan

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von Dietrich Brüggemann
Regie: Dietrich Brüggemann
Box
19.30 - 21.00
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
mit englischen Übertiteln
von Gotthold Ephraim Lessing
Deutsches Theater
19.30 - 22.30
19.00 Einführung - Saal
von Max Frisch
Regie: Bastian Kraft
Kammerspiele
20.00 - 21.45
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse