Der Heiler

Monolog von Oliver Bukowski
Prof. Dr. Matthes Grebenhoeve, Geheimtipp unter den Psychotherapeuten mit Wunderheilerstatus, gibt seine Aussage zu Protokoll. Er ist nackt neben seiner toten Patientin gefunden worden. Der Fall scheint klar und ist ein gefundenes Fressen für die Medien. Grebenhoeve indes erzählt eine andere Geschichte über den Suizid von Sophie Brettschneider, die mit ihrer Intelligenz, Persönlichkeit und Attraktivität überlegen genug war, das Verhältnis von Therapeut und Patientin umzukehren. Ausgestattet mit den besten Voraussetzungen für eine steile Karriere, hatte sie eine Bundespressekonferenz torpediert und die Ministerin beschimpft, ein vermeintlich grundloser Ausbruch, der zum Bruch Sophies mit der Gesellschaft und ihrem Funktionieren geführt hatte. Grebenhoeve begibt sich immer tiefer in die Geschichte dieser Frau, und je mehr er von ihr lernt, desto fraglicher werden ihm sein Leben, sein Erfolg und der Sinn seiner Arbeit. *** Einladungen Lindau 14. April 2013 Bad Lauchstädt 13. Mai 2012 St. Pauli Theater Hamburg 28. März 2012
Dramaturgie John von Düffel
Uraufführung 9. Januar 2011
Prof. Dr. Matthes Grebenhoeve
Prof. Dr. Matthes Grebenhoeve
Zitty
Kerstin Decker, 27.01.2011
Das Wort suggeriert das Eindimensionale; Gudzuhn aber spricht mindestens dreidimensional, die Worte werden zu Räumen. Genauer: Sie werden zum Selbsterkenntnis- und Selbstvernichtungsraum des erfolgreichen Psychotherapeuten Professor Dr. Matthes Grebenhoeve. Eine widerspenstige Patientin, die dem großen Heiler immer zwei Schritte voraus ist, setzt ihn dort aus. Ist Gesundheit in einer kranken Welt nicht eine Schamlosigkeit? Bukowski und Gudzuhn, Vorlage und Interpret treibeneinander in die Höhe. Ja, es ist möglich: Die Intelligenz, die partiell Heimatvertriebene des Theaters, benimmt sich, als sei sie nie fort gewesen. Was für ein Abend! Das Wort suggeriert das Eindimensionale; Gudzuhn aber spricht mindestens dreidimensional, die Worte werden zu Räumen. Genauer: Sie werden zum Selbsterkenntnis- und Selbstvernichtungsraum des erfolgreichen Psychotherapeuten Professor Dr. Matthes Grebenhoeve. Eine widerspenstige Patientin, die dem großen Heiler immer zwei Schritte voraus ist, setzt ihn dort aus. Ist Gesundheit in einer kranken Welt nicht eine Schamlosigkeit? Bukowski und Gudzuhn, Vorlage und Interpret treibeneinander in die Höhe. Ja, es ist möglich: Die Intelligenz, die partiell Heimatvertriebene des Theaters, benimmt sich, als sei sie nie fort gewesen. Was für ein Abend!
Der Tagesspiegel
Andreas Schäfer, 11.01.2011
So intelligent wurde lange nicht mehr aus und über die Psychowelt geschrieben. Bukowski imitiert mit beeindruckend präzise eingesetztem Fachvokuabular den Analytiker-Jargon (und die zu Kalauern neigende Selbstironie der Zunft), aber eben nicht, um ihn (und sie) per se vorzuführen, sondern um erst einmal zu zeigen, was man mit ihm alles kann: Komplexe Beziehungen in Worte fassen, versteckte Kommunikationsstrategien aufschlüsseln. Der Abend ist ein kleiner Triumph, gerade weil Gudzuhn alles andere alstriumphierend aufspielt. Zurückgenommenheit prägt sein Spiel. Mit breitem Strich zeichnet er Grebenhoeves Grandiositätsfantasien nach, um im nächsten Moment die feinsten Nuancen seines Selbstzweifels auszuschraffieren und sichstockend Eingeständnisse abzuringen, steigert sich dann wieder laut in Beschimpfungsorgien hinein, die nichts Ranschmeißerisches haben, sondern innerlich bleiben. Und die Pointen sind kein Selbstzweck, sondern bittere Zuspitzungen der Verzweiflung. So intelligent wurde lange nicht mehr aus und über die Psychowelt geschrieben. Bukowski imitiert mit beeindruckend präzise eingesetztem Fachvokuabular den Analytiker-Jargon (und die zu Kalauern neigende Selbstironie der Zunft), aber eben nicht, um ihn (und sie) per se vorzuführen, sondern um erst einmal zu zeigen, was man mit ihm alles kann: Komplexe Beziehungen in Worte fassen, versteckte Kommunikationsstrategien aufschlüsseln. Der Abend ist ein kleiner Triumph, gerade weil Gudzuhn alles andere alstriumphierend aufspielt. Zurückgenommenheit prägt sein Spiel. Mit breitem Strich zeichnet er Grebenhoeves Grandiositätsfantasien nach, um im nächsten Moment die feinsten Nuancen seines Selbstzweifels auszuschraffieren und sichstockend Eingeständnisse abzuringen, steigert sich dann wieder laut in Beschimpfungsorgien hinein, die nichts Ranschmeißerisches haben, sondern innerlich bleiben. Und die Pointen sind kein Selbstzweck, sondern bittere Zuspitzungen der Verzweiflung.
neues deutschland
Gunnar Decker, 11.01.2011
Der Abgestempelte, der Aussortierte, der ein Leben lang Kranke therapierte, beginnt nun erstmals wie ein Mensch zu sprechen. Da wird es doch interessant, als Chronik eines Scheiterns, eines nur über die Niederlage zusich selbst findenden. Und Gudzuhn übersetzt dieses Zerbrechen eines Persönlichkeissurrogats in etwas, das man eine über den Tod gehende Geburt nennen kann. Der Abgestempelte, der Aussortierte, der ein Leben lang Kranke therapierte, beginnt nun erstmals wie ein Mensch zu sprechen. Da wird es doch interessant, als Chronik eines Scheiterns, eines nur über die Niederlage zusich selbst findenden. Und Gudzuhn übersetzt dieses Zerbrechen eines Persönlichkeissurrogats in etwas, das man eine über den Tod gehende Geburt nennen kann.
nachtkritik.de
Hartmut Krug, 09.01.2011
Wunderbar entfaltet Gudzuhn die durch Selbstbewusstsein und berufliche Zweifel gleichermaßen gefestigte Eitelkeit eines Mannes, der seine Kollegen runtermacht oder dabei oft von erklärender Ernsthaftigkeit in selbstverliebt komisch auftrumpfendes bramarbasierendes Erklären wechselt. Wenn sich dieser Professor erinnert, dann denkt er sich vor uns direkt zurück in vergangene Situationen, indem er sie beschreibt und wertet. Gudzuhn spielt dies mit wenig gestische Aufwand, meist gebückt in sich hinein denkend, die Pointen auskostend und genau platzierend. Wunderbar entfaltet Gudzuhn die durch Selbstbewusstsein und berufliche Zweifel gleichermaßen gefestigte Eitelkeit eines Mannes, der seine Kollegen runtermacht oder dabei oft von erklärender Ernsthaftigkeit in selbstverliebt komisch auftrumpfendes bramarbasierendes Erklären wechselt. Wenn sich dieser Professor erinnert, dann denkt er sich vor uns direkt zurück in vergangene Situationen, indem er sie beschreibt und wertet. Gudzuhn spielt dies mit wenig gestische Aufwand, meist gebückt in sich hinein denkend, die Pointen auskostend und genau platzierend.

Außerdem im Spielplan

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von Dietrich Brüggemann
Regie: Dietrich Brüggemann
Box
19.30 - 21.00
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
mit englischen Übertiteln
von Gotthold Ephraim Lessing
Deutsches Theater
19.30 - 22.30
19.00 Einführung - Saal
von Max Frisch
Regie: Bastian Kraft
Kammerspiele
20.00 - 21.45
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse