Das Käthchen von Heilbronn

von Heinrich von Kleist
Regie / Bühne Andreas Kriegenburg
Dramaturgie Sonja Anders
Premiere 8. Dezember 2011
Elias Arens
Barbara Heynen
Judith Hofmann
Alexander Khuon
Markwart Müller-Elmau
Jörg Pose
Die Welt
Matthias Heine, 10.12.2011
Die Auftritte der Puppen sind oft von magischer Schönheit. Vor allem die intrigante Anti-Heldin des Stückes, Kunigunde von Thurneck. […] Es gibt zauberische Momente – etwa wenn zwei Schauspieler mit ihren Körpern ein Miniberge formen, das, mit Modelleisenbahnbäumen bewaldet, zum Schauplatz eines Streits zwischen winzigen Ritterpuppen wird. Oder wenn Käthchen das Bild Wetter vom Strahls aus seiner brennenden Burg rettet und das lodernde Feuer nur durch die geschickt orange angeleuchteten Zettel entsteht, die im Luftzug wehen.  Die Auftritte der Puppen sind oft von magischer Schönheit. Vor allem die intrigante Anti-Heldin des Stückes, Kunigunde von Thurneck. […] Es gibt zauberische Momente – etwa wenn zwei Schauspieler mit ihren Körpern ein Miniberge formen, das, mit Modelleisenbahnbäumen bewaldet, zum Schauplatz eines Streits zwischen winzigen Ritterpuppen wird. Oder wenn Käthchen das Bild Wetter vom Strahls aus seiner brennenden Burg rettet und das lodernde Feuer nur durch die geschickt orange angeleuchteten Zettel entsteht, die im Luftzug wehen. 
Märkische Oderzeitung
Christian Rakow, 08.12.2011
In einer genial klaustrophobischen Schreibstube, die bis zur Decke mit wirr beschriebenen Blättern bedeckt ist, ringen sechs Schauspieler (herausragend: Jörg Pose und Alexander Khuon) um die Entstehung des romantischen Ritterstücks. Mal sind sie, im Chor sprechend, alle gleichzeitig Kleist, mal einer nach den anderen. Und zwischendrin schlüpfen sie in ständig wechselnden Rollen in die Figuren, die sie gerade auf dem Papier erschaffen haben, unterstützt von einer Armada unterschiedlichster Puppen. In einer genial klaustrophobischen Schreibstube, die bis zur Decke mit wirr beschriebenen Blättern bedeckt ist, ringen sechs Schauspieler (herausragend: Jörg Pose und Alexander Khuon) um die Entstehung des romantischen Ritterstücks. Mal sind sie, im Chor sprechend, alle gleichzeitig Kleist, mal einer nach den anderen. Und zwischendrin schlüpfen sie in ständig wechselnden Rollen in die Figuren, die sie gerade auf dem Papier erschaffen haben, unterstützt von einer Armada unterschiedlichster Puppen.
Süddeutsche Zeitung
Christopher Schmidt, 10.12.2011
Kriegenburg verlegt das Geschehen vom Heilbronn eines Phantasiemittelalters in eine Schreibstube zur Entstehungszeit des Stücks. Im Vordergrund sechs Pulte, die Holzwände ringsum sind bis zur Decke hinauf mit Briefen des Dichters tapeziert, weshalb dieser, von einem Seilzug gezogen, immer mal wieder die Wände hochgeht, um neue Episteln anzupappen. Diese klaustrophobische Kammer, in der die Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind, ist zugleich das Oberstübchen des hirnwütigen Kleist zwischen Zimmerkoller und Höhenrausch, und es spuckt mächtig drin.
Gleich sechsfach sitzt diese gespaltene Persönlichkeit in schwarzem Gehrock am Tisch und kratzt mit dem Federkiel Verse aufs Papier. Aus dem existenziellen Fracksausen seiner beengten Existenz träumt sich Kleist hinweg in die idealisierte Gegenwelt des Märchens. Kriegenburg inszeniert nicht das "große historische Ritterschauspiel", so der Untertitel des Stücks, sondern Kleists Traum vom Käthchen von Heilbronn. Wir sehen den Dichter beim allmählichen Verfertigen des Stückes beim Schreiben. Oder so: Käthchen – das Making of.
Kriegenburg verlegt das Geschehen vom Heilbronn eines Phantasiemittelalters in eine Schreibstube zur Entstehungszeit des Stücks. Im Vordergrund sechs Pulte, die Holzwände ringsum sind bis zur Decke hinauf mit Briefen des Dichters tapeziert, weshalb dieser, von einem Seilzug gezogen, immer mal wieder die Wände hochgeht, um neue Episteln anzupappen. Diese klaustrophobische Kammer, in der die Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind, ist zugleich das Oberstübchen des hirnwütigen Kleist zwischen Zimmerkoller und Höhenrausch, und es spuckt mächtig drin.
Gleich sechsfach sitzt diese gespaltene Persönlichkeit in schwarzem Gehrock am Tisch und kratzt mit dem Federkiel Verse aufs Papier. Aus dem existenziellen Fracksausen seiner beengten Existenz träumt sich Kleist hinweg in die idealisierte Gegenwelt des Märchens. Kriegenburg inszeniert nicht das "große historische Ritterschauspiel", so der Untertitel des Stücks, sondern Kleists Traum vom Käthchen von Heilbronn. Wir sehen den Dichter beim allmählichen Verfertigen des Stückes beim Schreiben. Oder so: Käthchen – das Making of.
SWR 2
Ina Beyer, 09.12.2011
Sie sinnieren und spintisieren, schwingen Federn und Frackschöße, kratzen an Köpfen und übers Papier – die sechs Kleists in historischem Gewand und Gebaren, die hier an Pulten hocken und vor sich hin murmeln. In ihren Köpfen – so wird suggeriert – entsteht das Drama. Aus Leben, Gedanken, Gefühlen und unstillbarer Sehnsucht ergrübeln und ergründen sie die Geschichte vom Gretchen pardon Käthchen von Heilbronn. Sie sinnieren und spintisieren, schwingen Federn und Frackschöße, kratzen an Köpfen und übers Papier – die sechs Kleists in historischem Gewand und Gebaren, die hier an Pulten hocken und vor sich hin murmeln. In ihren Köpfen – so wird suggeriert – entsteht das Drama. Aus Leben, Gedanken, Gefühlen und unstillbarer Sehnsucht ergrübeln und ergründen sie die Geschichte vom Gretchen pardon Käthchen von Heilbronn.
neues deutschland
Hans-Dieter Schütt, 10.12.2011
Es ist als spalte sich die Persönlichkeit Kleists in sechs Gemütscluster: Jörg Pose: Brillant ironisch, ein exzellentes Ermatten des kühnen Geistes im traurigen Clown. Alexander Khuon: leidenschaftlich leidend. Judith Hofmann: der kühle weibliche Einschuss im Männlichen. Markwart Müller-Elmau: die besänftigende, fast senile Kraft der Müdigkeit, aber auch deren wutschnaubender Schrei-K(r)ampf gegen den eigenen Jammerauftrag. Elias Arens: die stocksteife Geradlinigkeit einer Jugend, die noch nicht weiß, was eine Erfahrung ist. Barbara Heynen: So sieht vielleicht das gewöhnliche, unspinnerte, mädchenhafte Leben aus, bevor es von Genie und Übermaß der Übel verstört wird. Es ist als spalte sich die Persönlichkeit Kleists in sechs Gemütscluster: Jörg Pose: Brillant ironisch, ein exzellentes Ermatten des kühnen Geistes im traurigen Clown. Alexander Khuon: leidenschaftlich leidend. Judith Hofmann: der kühle weibliche Einschuss im Männlichen. Markwart Müller-Elmau: die besänftigende, fast senile Kraft der Müdigkeit, aber auch deren wutschnaubender Schrei-K(r)ampf gegen den eigenen Jammerauftrag. Elias Arens: die stocksteife Geradlinigkeit einer Jugend, die noch nicht weiß, was eine Erfahrung ist. Barbara Heynen: So sieht vielleicht das gewöhnliche, unspinnerte, mädchenhafte Leben aus, bevor es von Genie und Übermaß der Übel verstört wird.

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