Constellations

von Nick Payne
Bühne und Kostüme Sigi Colpe
Dramaturgie Hannes Oppermann
Premiere 8. Januar 2015
Natali SeeligMarianne
Matthias NeukirchRoland
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 10.01.2015
Ein sattes 'Wusch' trennt die jeweiligen Universen, eingespielt wird das Geräusch vom schon vielfach in der DT-Box eingesetzen Musiker Tobias Vethake, der auf der Bühne mit kleidsamer Behutsamkeit obskure Klangapparaturen bedient, Athmosphären einschweben lässt und sie mit einem Bogenstrich oder Effektpedaltritt verscheucht.
Dass der Zuschauer umstandslos die Wechsel zwischen den Paralleluniversen und die wilden chronologischen Sprünge mitmacht, ohne die Orientierung zu verlieren, liegt vor allem an der Leistung der Schauspieler, die der Regisseur Hüseyin Michael Cirpici auf Zack gebracht hat. Ohne sich in den Wiederholungen zu verheddern, wechseln Natali Seelig und Matthias Neukirch die gefühlsmäßig oft weit auseinanderliegenden Situationen und Zustände. Mit großer Sicherheit stufen sie die entsprechenden Grade der Alkoholumneblung und der zweisamen Routine ab - ganz zu schweigen von den blitzschnellen Alterungs- und Verjüngungssprüngen in Stimme und Haltung.
Ein sattes 'Wusch' trennt die jeweiligen Universen, eingespielt wird das Geräusch vom schon vielfach in der DT-Box eingesetzen Musiker Tobias Vethake, der auf der Bühne mit kleidsamer Behutsamkeit obskure Klangapparaturen bedient, Athmosphären einschweben lässt und sie mit einem Bogenstrich oder Effektpedaltritt verscheucht.
Dass der Zuschauer umstandslos die Wechsel zwischen den Paralleluniversen und die wilden chronologischen Sprünge mitmacht, ohne die Orientierung zu verlieren, liegt vor allem an der Leistung der Schauspieler, die der Regisseur Hüseyin Michael Cirpici auf Zack gebracht hat. Ohne sich in den Wiederholungen zu verheddern, wechseln Natali Seelig und Matthias Neukirch die gefühlsmäßig oft weit auseinanderliegenden Situationen und Zustände. Mit großer Sicherheit stufen sie die entsprechenden Grade der Alkoholumneblung und der zweisamen Routine ab - ganz zu schweigen von den blitzschnellen Alterungs- und Verjüngungssprüngen in Stimme und Haltung.
Deutschlandfunk
Michael Laages, 09.01.2015
Nick Payne stellt in seinen Stücken die ewig existenziellen Fragen. In "Constellations" wird eine Art quantenphysikalisches Beziehungsdrama daraus. Regisseur Hüseyin Michael Cirpici hat am Deutschen Theater daraus nun ein pures und hitziges Kammerspiel destilliert. (...)
"Well made" ist Nick Paynes Text im allerbesten Sinn. Aber was da so sicher und unausweichlich vom Autor gefügt ist, bleibt (weil es die gängigen Regeln des Theaters konsequent ignoriert) in jedem Augenblick Abenteuer pur. Warum das so ist, zeigt die Berliner Inszenierung von Hüseyin Michael Cirpici gleich zu Beginn mit drei Ausrufezeichen: In 30 Sekunden nimmt das Stück dreimal Anlauf, mit Small-Talk auf der Barbecue-Party. Aber jeder Anlauf führt mit mindestens einem winzigen Detail in eine andere Richtung. (...)
Regisseur Cirpici verzichtet in Berlin auf jede szenische Behauptung; nur zu Beginn, noch in dunklem Nebel und wenn das Publikum die kleine Box im Deutschen Theater betritt, daddeln Natali Seelig und Matthias Neukirch mit einem flirrenden Computerspiel. Hinter ihnen spielt dann für den Rest des Abends der Multi-Instrumentalist Tobias Vethake – das gibt Struktur. Aber das Ereignis ist das Paar selbst – wie es aus dem überaus theoretischen Spiel-Ansatz das pure, hitzige Kammerspiel destilliert. Auch das ist also möglich neben ganz viel Theorie über Zufall und freien Willen. Erst jetzt, nach diesem zweiten Versuch, steht das kleine Stück bereit für die Karriere auf ganz vielen Bühnen: und als Kandidat für das beste ausländische Stück der Saison.
Nick Payne stellt in seinen Stücken die ewig existenziellen Fragen. In "Constellations" wird eine Art quantenphysikalisches Beziehungsdrama daraus. Regisseur Hüseyin Michael Cirpici hat am Deutschen Theater daraus nun ein pures und hitziges Kammerspiel destilliert. (...)
"Well made" ist Nick Paynes Text im allerbesten Sinn. Aber was da so sicher und unausweichlich vom Autor gefügt ist, bleibt (weil es die gängigen Regeln des Theaters konsequent ignoriert) in jedem Augenblick Abenteuer pur. Warum das so ist, zeigt die Berliner Inszenierung von Hüseyin Michael Cirpici gleich zu Beginn mit drei Ausrufezeichen: In 30 Sekunden nimmt das Stück dreimal Anlauf, mit Small-Talk auf der Barbecue-Party. Aber jeder Anlauf führt mit mindestens einem winzigen Detail in eine andere Richtung. (...)
Regisseur Cirpici verzichtet in Berlin auf jede szenische Behauptung; nur zu Beginn, noch in dunklem Nebel und wenn das Publikum die kleine Box im Deutschen Theater betritt, daddeln Natali Seelig und Matthias Neukirch mit einem flirrenden Computerspiel. Hinter ihnen spielt dann für den Rest des Abends der Multi-Instrumentalist Tobias Vethake – das gibt Struktur. Aber das Ereignis ist das Paar selbst – wie es aus dem überaus theoretischen Spiel-Ansatz das pure, hitzige Kammerspiel destilliert. Auch das ist also möglich neben ganz viel Theorie über Zufall und freien Willen. Erst jetzt, nach diesem zweiten Versuch, steht das kleine Stück bereit für die Karriere auf ganz vielen Bühnen: und als Kandidat für das beste ausländische Stück der Saison.
Theaterkritiken Berlin
Magdalena Sporkmann, 10.01.2015
Virtuos beleben Matthias Neukirch und Natali Seelig in einer rasanten Szenenabfolge die Geschichte(n) des Paares Marianne und Roland. Es gelingt ihnen, jede der unterschiedlichen Entwicklungen plausibel zu machen. Egal, wie oft sie den formal gleichen Anfang der Beziehung schon gespielt haben, Neukirch und Seelig nehmen ihn immer wieder vollkommen ernst. Sie zeigen, wie allein ein variierter Gesichtsausdruck oder ein Lachen an einer bestimmten Stelle des Dialogs, die Entwicklung in eine andere Richtung lenken kann. Ihr facettenreiches schauspielerisches Können ermöglicht es dem Publikum, sich auch emotional auf die verschiedenen Versionen der Liebesgeschichte einzulassen. (...)
Regisseur Cirpici setzt dabei auf die Faszinationskraft, die von der mannigfaltigen Darstellungsweise ausgeht. Sprache, Schauspiel und Klangcollagen (Tobias Vethake) genügen, um atmosphärisch dichte Szenen zu schaffen. (...)
Schon allein diese Demonstration der reinen Schauspielkunst ist packend. Ganz nebenbei wird eine offenbar gar nicht so unwahrscheinliche wissenschaftliche Theorie vermittelt. Im Nachsinnen darüber schreibt sich 'Constellations' auch langfristig in die Erinnerung ein.
Virtuos beleben Matthias Neukirch und Natali Seelig in einer rasanten Szenenabfolge die Geschichte(n) des Paares Marianne und Roland. Es gelingt ihnen, jede der unterschiedlichen Entwicklungen plausibel zu machen. Egal, wie oft sie den formal gleichen Anfang der Beziehung schon gespielt haben, Neukirch und Seelig nehmen ihn immer wieder vollkommen ernst. Sie zeigen, wie allein ein variierter Gesichtsausdruck oder ein Lachen an einer bestimmten Stelle des Dialogs, die Entwicklung in eine andere Richtung lenken kann. Ihr facettenreiches schauspielerisches Können ermöglicht es dem Publikum, sich auch emotional auf die verschiedenen Versionen der Liebesgeschichte einzulassen. (...)
Regisseur Cirpici setzt dabei auf die Faszinationskraft, die von der mannigfaltigen Darstellungsweise ausgeht. Sprache, Schauspiel und Klangcollagen (Tobias Vethake) genügen, um atmosphärisch dichte Szenen zu schaffen. (...)
Schon allein diese Demonstration der reinen Schauspielkunst ist packend. Ganz nebenbei wird eine offenbar gar nicht so unwahrscheinliche wissenschaftliche Theorie vermittelt. Im Nachsinnen darüber schreibt sich 'Constellations' auch langfristig in die Erinnerung ein.

Außerdem im Spielplan

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von Anton Tschechow
Deutsches Theater
19.00 - 22.05
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
von Sibylle Berg
Regie: Salome Dastmalchi
Box
19.30
Mit englischen Übertiteln
von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Nachgespräch mit Jette Steckel, Anika Steinhoff und dem Ensemble – Saal
Kammerspiele
20.00 - 22.25