Brandung

von Maria Milisavljevic
Berlin-Premiere 10. Oktober 2013
Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Natalia BelitskiICH
Benjamin LillieER
Barbara HeynenSIE
Christoph HartLive-Musiker
Die deutsche Bühne
Detlev Baur, 06.06.2013
„Brandung“ von Maria Milisavljevic ist eine Vierecksgeschichte, Unterschichtendrama, Jugend- und Heimatstück, ein Thriller und einfach ein großes lust- und schmerzvolles Geschichtenerzählen. Formal erscheint es sowohl als eine heterogene Textfläche voll epischer Elemente wie auch als verbindliches Figurenporträt voll starken Vertrauens in die Kraft der Sprache. Sie ist einfach und dabei poetisch-präzise gestaltet, die Themen sind weit gefächert und doch kunstvoll und sinnreich miteinander verknüpft. Das mit dem Kleist Förderpreis 2013 ausgezeichnete Stück ist also im besten Sinne eine multikulturelle Mischung aus angelsächsischem well made play und deutschem Kunststück. „Brandung“ von Maria Milisavljevic ist eine Vierecksgeschichte, Unterschichtendrama, Jugend- und Heimatstück, ein Thriller und einfach ein großes lust- und schmerzvolles Geschichtenerzählen. Formal erscheint es sowohl als eine heterogene Textfläche voll epischer Elemente wie auch als verbindliches Figurenporträt voll starken Vertrauens in die Kraft der Sprache. Sie ist einfach und dabei poetisch-präzise gestaltet, die Themen sind weit gefächert und doch kunstvoll und sinnreich miteinander verknüpft. Das mit dem Kleist Förderpreis 2013 ausgezeichnete Stück ist also im besten Sinne eine multikulturelle Mischung aus angelsächsischem well made play und deutschem Kunststück.
nachtkritik.de
Martin Krumbholz, 06.06.2013
Auf der Bühne von Jonathan Mertz schmelzen die Eisquader im Hintergrund Stück für Stück dahin und verwandeln sich in das Wasser, auf das auch der Titel von Maria Milisavljevic‘ erstaunlicher Arbeit anspielt – die 1982 im sauerländischen Arnsberg geborene, heute in Toronto lebende Autorin hat mit „Brandung“, wohl ganz zu Recht, den diesjährigen Kleist-Förderpreis gewonnen.

Im Stück selbst aber hat die Vereisung Bestand – ohne dass dies die Autorin zu einem moralischen Befund verleiten würde. Ganz cool und mit analytischer Präzision zugleich erzählt Milisavljevic von drei Twentysomethings – Ich, Sie, Er, zwei von ihnen haben einen Vornamen: Martina und Vlado –, die eine weitere Person vermissen. Die Studentin Karla wurde zuletzt vor einem Edeka-Laden gesehen, in dem sie Käse für eine Studenten-WG-Pizza besorgen wollte. Jetzt zählen die Drei die Tage, die Karla schon fehlt. Und dabei erzählen sie einander von ihren Gefühlen. Und von deren Widersprüchen. (…)

Der Regisseur Christopher Rüping hat das Eis zwar zum zentralen Sinnbild seiner Inszenierung gewählt, nicht aber zum schauspielerischen Paradigma. Im Gegenteil: Die drei Spieler betonen – gerade in Anbetracht dessen, dass es sich um einen eher epischen Text handelt – frohgemut die Spiellust, die der Erzähllust der Autorin aufs Schönste entspricht. Milisavljevic hat großes Glück mit der Inszenierung und diesen Schauspielern des Deutschen Theaters – das macht das Glück einer Uraufführung erst vollständig. (…)

Namentlich Natalia Belitski füllt die anspruchsvolle Rolle der Ich-Erzählerin mit einer quecksilbrigen Intelligenz aus, an der man helle Freude hat. Indem sie ihren Text permanent gestisch und mimisch kommentiert, schafft sie eine Aura für ihre Figur, in der sich Ironie und Identifikation fast die Waage halten.
Auf der Bühne von Jonathan Mertz schmelzen die Eisquader im Hintergrund Stück für Stück dahin und verwandeln sich in das Wasser, auf das auch der Titel von Maria Milisavljevic‘ erstaunlicher Arbeit anspielt – die 1982 im sauerländischen Arnsberg geborene, heute in Toronto lebende Autorin hat mit „Brandung“, wohl ganz zu Recht, den diesjährigen Kleist-Förderpreis gewonnen.

Im Stück selbst aber hat die Vereisung Bestand – ohne dass dies die Autorin zu einem moralischen Befund verleiten würde. Ganz cool und mit analytischer Präzision zugleich erzählt Milisavljevic von drei Twentysomethings – Ich, Sie, Er, zwei von ihnen haben einen Vornamen: Martina und Vlado –, die eine weitere Person vermissen. Die Studentin Karla wurde zuletzt vor einem Edeka-Laden gesehen, in dem sie Käse für eine Studenten-WG-Pizza besorgen wollte. Jetzt zählen die Drei die Tage, die Karla schon fehlt. Und dabei erzählen sie einander von ihren Gefühlen. Und von deren Widersprüchen. (…)

Der Regisseur Christopher Rüping hat das Eis zwar zum zentralen Sinnbild seiner Inszenierung gewählt, nicht aber zum schauspielerischen Paradigma. Im Gegenteil: Die drei Spieler betonen – gerade in Anbetracht dessen, dass es sich um einen eher epischen Text handelt – frohgemut die Spiellust, die der Erzähllust der Autorin aufs Schönste entspricht. Milisavljevic hat großes Glück mit der Inszenierung und diesen Schauspielern des Deutschen Theaters – das macht das Glück einer Uraufführung erst vollständig. (…)

Namentlich Natalia Belitski füllt die anspruchsvolle Rolle der Ich-Erzählerin mit einer quecksilbrigen Intelligenz aus, an der man helle Freude hat. Indem sie ihren Text permanent gestisch und mimisch kommentiert, schafft sie eine Aura für ihre Figur, in der sich Ironie und Identifikation fast die Waage halten.
Deutschlandfunk
Stefan Keim, 06.06.2013
Virtuos spielt die Autorin mit den Sprechhaltungen. Erzähltext, Gedanken und Dialoge fließen ineinander, realistische Momente wechseln mit lyrischen Verdichtungen. Maria Milisavljevic treibt die Handlung voran, setzt aber auch ständig Brüche. Szenen werden vor- und zurückgespult, aus unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt. Solche dramaturgischen Kniffe kennt man aus anspruchsvollen amerikanischen Fernsehserien. (…)

„Brandung“ ist an der Oberfläche ein surrealer Thriller, und im Kern eine Studie über junge Leute mit lockeren Wurzeln, die nach festem Grund für ihr Leben suchen. Auch aufgrund der wachen und gedankenklaren Schauspieler Natalia Belitski, Barbara Heynen und Benjamin Lillie ist diese Uraufführung die gelungenste in der Serie mit neuen Stücken bei den Ruhrfestspielen.
Virtuos spielt die Autorin mit den Sprechhaltungen. Erzähltext, Gedanken und Dialoge fließen ineinander, realistische Momente wechseln mit lyrischen Verdichtungen. Maria Milisavljevic treibt die Handlung voran, setzt aber auch ständig Brüche. Szenen werden vor- und zurückgespult, aus unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt. Solche dramaturgischen Kniffe kennt man aus anspruchsvollen amerikanischen Fernsehserien. (…)

„Brandung“ ist an der Oberfläche ein surrealer Thriller, und im Kern eine Studie über junge Leute mit lockeren Wurzeln, die nach festem Grund für ihr Leben suchen. Auch aufgrund der wachen und gedankenklaren Schauspieler Natalia Belitski, Barbara Heynen und Benjamin Lillie ist diese Uraufführung die gelungenste in der Serie mit neuen Stücken bei den Ruhrfestspielen.

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