Am Schwarzen See

von Dea Loher
Uraufführung 26. Oktober 2012
Katharina Marie SchubertElse
Jörg PoseJohnny
Natali SeeligCleo
Bernd MossEddie
Der Tagesspiegel
Andreas Schäfer, 28.10.2012
Die Figuren schälen sich aus dem Kollektivgeplapper, bekommen Raum für den Schmerz, die musikalischen Wiederholungen werden zu einem ratlosen Schweigen, aus dem die Figuren vergeblich Anlauf nehmen, um das Unbegreifliche zu begreifen. Die Luft ist eisig in dem hallenhohen, von Möbeln freigeräumten Raum, den Harald Thor ins Deutsche Theater hat bauen lassen, Die Verflechtung der Figuren zeigt sich, die pathologischen Auswüchse, mit denen jeder reagiert. Die Figuren schälen sich aus dem Kollektivgeplapper, bekommen Raum für den Schmerz, die musikalischen Wiederholungen werden zu einem ratlosen Schweigen, aus dem die Figuren vergeblich Anlauf nehmen, um das Unbegreifliche zu begreifen. Die Luft ist eisig in dem hallenhohen, von Möbeln freigeräumten Raum, den Harald Thor ins Deutsche Theater hat bauen lassen, Die Verflechtung der Figuren zeigt sich, die pathologischen Auswüchse, mit denen jeder reagiert.
Die Welt
Matthias Heine, 29.10.2012
Aber Loher ist nicht so dumm, aus dem letzten Endes immer unergründlichen Rätseleines Kinderselbstmordes eine dramatische Propaganda herzuleiten. Die Elternsind keine billigen Ziele. Ihr Geheimnis verbindet sie bei aller Mittelstandsbanalität mit den großen Rätseln der romantischen deutschen Tradition. Sie bleiben ausdeutbar und interessant. Und der Regisseur verplättetsie nicht. Wahrscheinlich genießt er deshalb seit bald zwei Jahrzehnten dasVertrauen einer Autorin, die auch mit ihrem neuesten Stück untermauert, dasssie neben René Pollesch und Marius von Meyenburg die wichtigste unddauerhafteste Stimme des deutschen Gegenwartsdramas ist. Aber Loher ist nicht so dumm, aus dem letzten Endes immer unergründlichen Rätseleines Kinderselbstmordes eine dramatische Propaganda herzuleiten. Die Elternsind keine billigen Ziele. Ihr Geheimnis verbindet sie bei aller Mittelstandsbanalität mit den großen Rätseln der romantischen deutschen Tradition. Sie bleiben ausdeutbar und interessant. Und der Regisseur verplättetsie nicht. Wahrscheinlich genießt er deshalb seit bald zwei Jahrzehnten dasVertrauen einer Autorin, die auch mit ihrem neuesten Stück untermauert, dasssie neben René Pollesch und Marius von Meyenburg die wichtigste unddauerhafteste Stimme des deutschen Gegenwartsdramas ist.
Berliner Morgenpost
Stefan Kirschner, 29.10.2012
Loher und Kriegenburg gelingt eine schlaglichtartige Bestandsaufnahme unserer turbokapitalistischen Gesellschaft: wie ökonomischer Druck die Menschen und ihre Beziehungen vergiften. Loher und Kriegenburg gelingt eine schlaglichtartige Bestandsaufnahme unserer turbokapitalistischen Gesellschaft: wie ökonomischer Druck die Menschen und ihre Beziehungen vergiften.
neues deutschland
Hans Dieter Schütt, 29.10.2012
Vier Schauspieler gehäutet – um Verkapselungen auf eine Weise zu spielen, die nicht loslässt. Jeder dem anderen eine Krüppel-Konkurrenz: Wer ist verbogener und infolgedessen verwatteter in Selbsttäuschung? Man stürzt zu Boden, als sei man wirklich überzeugt, er öffne sich. Man wirft sich in den Sessel, als sei er das Boot, in das die Kinder das totbringende Loch hackten. Lähmendes Entsetzen, das den Körper, dem Seelenzustand gemäß, entstellt. Eine Bloßstellung also, in langen Schüben eines stammelnden, schlingenden, schattengleichen Herumtastens. Kurze Trancen in sich wälzenden Knäulen. Vier Schauspieler gehäutet – um Verkapselungen auf eine Weise zu spielen, die nicht loslässt. Jeder dem anderen eine Krüppel-Konkurrenz: Wer ist verbogener und infolgedessen verwatteter in Selbsttäuschung? Man stürzt zu Boden, als sei man wirklich überzeugt, er öffne sich. Man wirft sich in den Sessel, als sei er das Boot, in das die Kinder das totbringende Loch hackten. Lähmendes Entsetzen, das den Körper, dem Seelenzustand gemäß, entstellt. Eine Bloßstellung also, in langen Schüben eines stammelnden, schlingenden, schattengleichen Herumtastens. Kurze Trancen in sich wälzenden Knäulen.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Volker Corsten, 28.10.2012
Gegen das Hereinschwappen der Erinnerungen hilft es dabei nichts, dass die bei Natali Seelig kontrolliert verzweifelte Cleo und ihr zappelndes Eheweichmännchen (Bernd Moss) den Blick zum See zugemauert haben. Denn erstens holen Else (Katharina Marie Schubert), bei den anderen die Schwächere und Hysterische, und ihr Filialleiter (Jörg Pose), der vor allem immer wieder vor sich selbst wegrennen will, das Verdrängte wieder hervor, durch ihre Fragen, aber auch, indem sie den Seeblick mit blauer Kreide malend rekonstruieren. Und zweitens können die vier, da weiß selbst Kriegenburg diesmal nichts aufzuhellen, eh nichts anderes machen, als sich gemeinsam gegen das Ertrinken zu stemmen. Ob schuldig oder nicht. Gegen das Hereinschwappen der Erinnerungen hilft es dabei nichts, dass die bei Natali Seelig kontrolliert verzweifelte Cleo und ihr zappelndes Eheweichmännchen (Bernd Moss) den Blick zum See zugemauert haben. Denn erstens holen Else (Katharina Marie Schubert), bei den anderen die Schwächere und Hysterische, und ihr Filialleiter (Jörg Pose), der vor allem immer wieder vor sich selbst wegrennen will, das Verdrängte wieder hervor, durch ihre Fragen, aber auch, indem sie den Seeblick mit blauer Kreide malend rekonstruieren. Und zweitens können die vier, da weiß selbst Kriegenburg diesmal nichts aufzuhellen, eh nichts anderes machen, als sich gemeinsam gegen das Ertrinken zu stemmen. Ob schuldig oder nicht.
Die Zeit
Gerhard Jörder, 31.10.2012
Ein fabelhaftes Schauspielerquartett: Wie sie von Wut zu Schockstarre, von Panik zu Autoaggresion wechseln, wie sie zittern, zucken, klammern, krallen, sich verknäulen – immer neue Körperskulpturen erfindet Kriegenburg für sie, Leidensbilder von bizarrer Künstlichkeit und berührender Kraft. Ein fabelhaftes Schauspielerquartett: Wie sie von Wut zu Schockstarre, von Panik zu Autoaggresion wechseln, wie sie zittern, zucken, klammern, krallen, sich verknäulen – immer neue Körperskulpturen erfindet Kriegenburg für sie, Leidensbilder von bizarrer Künstlichkeit und berührender Kraft.
Märkische Allgemeine
Nina May, 02.11.2012
Andreas Kriegenburg lässt die Schauspieler zwischen Raserei und Lethargie wechseln. Sie laufen stets Gefahr, ihrerseits im Schwarzen See zu versinken, den sie samt Wald- und Berglandschaft gemeinsam an die Bühnenwand malen. Das Duo Loher – Kriegenburg ist inzwischen eine Institution, seine Inszenierungen ihrer Werke wurden zum Theatertreffen eingeladen und mit Preisen überhäuft. Andreas Kriegenburg lässt die Schauspieler zwischen Raserei und Lethargie wechseln. Sie laufen stets Gefahr, ihrerseits im Schwarzen See zu versinken, den sie samt Wald- und Berglandschaft gemeinsam an die Bühnenwand malen. Das Duo Loher – Kriegenburg ist inzwischen eine Institution, seine Inszenierungen ihrer Werke wurden zum Theatertreffen eingeladen und mit Preisen überhäuft.

Musiktitel in der Inszenierung

Außerdem im Spielplan

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